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Wieso Jakob am Jabbok?

32,23 Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok, 32,24 nahm sie und führte sie über das Wasser, so daß hinüberkam, was er hatte, 32,25 und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. 32,26 Und als er sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. 32,27 Und er sprach: Laß mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. 32,28 Er sprach: Wie heißest du? Er antwortete: Jakob. 32,29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel [Gotteskämpfer]; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. 32,30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißest du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. 32,31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël; denn, sprach er, ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. 32,32 Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

1. Mose, 32. Kapitel
Luther-Übersetzung, 1984

Wieso Jakob? Und Jabbok? Ist das ein Wortspiel? Hat sich der Schreiber dieses Kapitels ein wenig in Anagrammen verirrt? Wer ist dieser Jakob eigentlich?

Jakob ist ein Mensch wie du und ich. Er ist einer, der sich durchkämpft im Leben. Er hat sich sein Erbrecht erschlichen und ist auch sonst sehr auf seinen Vorteil bedacht. Und er kommt prima damit durch im Leben. Es mangelt ihm an nichts. Und dann passiert es auf einmal, dass er kämpfen muss. Die Bibel sagt nichts über die Schwere des Kampfes, aber wir können davon ausgehen, dass es für Jakob kein Zuckerschlecken war. Keiner der beiden Gegner gewinnt die Oberhand. Schließlich wird der Kampf entschieden, doch Jakob gib nicht auf. Er will noch eine Sache von seinem Gegner: den Segen.

Gott segnet Jakob [hebr., Gott wird schützen] und macht ihn zum Vater seines Volkes, dass in der Zeit danach nur noch Israel [hebr., Gott herrscht] heißt – bis auf den heutigen Tag.

Wieso Jakob?

Weil er sozusagen der Prototyp des Gotteskämpfers ist. Hier kämpft er nicht für Gott, sondern gegen ihn. Nach neutestamentlichem Verständnis lebte Jakob in Sünde, sogar in schwere Sünde gegen seine Familie. Und hier am Jabbok bekämpft er Gott höchstselbst. Ich finde, das ist nicht so ungewöhnlich, wie es sich anhört. Wer seinen Glauben ernst nimmt, muss um ihn kämpfen. Nicht wenige Male ringt man dabei mit Gott, weil er sich scheinbar gegen uns stellt: gegen unsere Bequemlichkeit, gegen unsere Eitelkeit, gegen unseren Willen. Und das wir so empfinden, ist auch natürlich – leider.

Glaube ist ein Geschenk des Herrn an uns. Wenn wir ihn suchen, so lässt er sich finden und sogleich schenkt er uns etwas! Aber Glaube im Alltag ist nicht immer eitel Sonnenschein, sondern bedeutet täglichen Kampf. Aber ich denke, so will es Gott auch. Er verlangt von uns nichts anderes als er selbst gibt. Er bemüht sich jede Sekunde unseres Lebens um uns. Er ruft uns, er beschenkt uns, er möchte uns führen. Und was tun wir? Wir sind taub, lehnen ab und gehen unsere eigenen Wege. Bis es wieder mal knallt. Und dann ist uns Gott gerade recht: um ihn verantwortlich zu machen und ihm unser Leid zu klagen. Dabei tragen wir allein die Verantwortung für unser Leben. Gott bietet uns nur seine Hilfe an. Er drängt sie uns nicht auf. Obwohl er allgegenwärtig ist, gängelt er uns nicht. Er weist uns nicht in die Schranken, er lässt keinen Blitz vom Himmel fahren, um uns seine Macht zu demonstrieren. Er möchte nur, dass wir ihm zuhören und sein Geschenk aus freien Stücken annehmen. Weil wir aber so sind wie wir sind, ist der Weg steinig und beschwerlich.

Aber so wie Gott uns sucht und beiseite steht, so möchte Gott uns ebenfalls haben: ihn suchend und für ihn da sein. Alles andere regelt er dann …

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

Diskussionen

3 Gedanken zu “Wieso Jakob am Jabbok?

  1. neugierig habe ich nach deiner Auslegung über diesen Kampf am Jabbok geforscht.
    Wenn jemand so mutig ist diesen Titel vorne an zu stellen, dann hat er sich bestimmt ernsthaft und ausgiebig mit dieser Bibelstelle beschäftigt?
    Leider passen deine Erklärungen so gar nicht in meine Vorstellung:
    Die Schrift: “ …rang ein Mann bis zur Morgenröte, schlug ihn auf das Gelenk, verrenkte ihm die Hüfte, hat mit Gott gekämpft….–
    Michael Richter: — ….Gott bietet Hilfe an, drängt nicht, gängelt nicht, weist nicht in die Schranken….
    Fehlt mir die nötige Phantasie um diese Erklärung zu vereinen?
    Oder ist es auch für dich paradox?
    War es ein „gnädiger“ Versuch diesen Streit willkürlich um zu deuten?
    Oder ist tatsächlich für dich nach deiner Phantasie – schlagen, ringen, verrenken, kämpfen – ein und dasselbe wie – Hilfe anbieten, nicht drängen, nicht gängeln, nicht in die Schranken weisen?

    Verfasst von Elmar Fritz | 27. Juli 2013, 11:04
    • Hallo Elmar Fritz,

      ich denke, da ist eine Menge Text zwischen dem biblischen Text und dem was du meine willkürliche Deutung nennst. Daher kann ich nicht nachvollziehen, warum du gerade diese Aussagen als Deutung des Bibeltextes deutest. Mein kurzer Kommentar – der sicherlich nicht ausreicht, um die Bibelstelle auszulegen – versucht vielmehr die Brücke zu schlagen zwischen dem Kampf Jakobs mit Gott und unseren täglichen Glaubenskämpfen. Wir alle verdienen nur den Tod, doch unser gnädiger Gott bietet jedem – wirklich jedem – den Weg der Rettung und des Heils an. Dabei begegnet Er einem jeden von uns ganz individuell. Jakob ist der Vater aller Israeliten. Aufgrund dieser Sonderstellung hatte er auch besondere Begegnungen mit Gott – wie eben jenen Kampf am Jabbok. Unsereiner ist nun nicht auserwählt, ein neues Volk zu begründen, sondern im bestehenden Volk Gottes – der weltweiten Gemeinde Jesu Christi – mitzuwirken. Und Gott bereitet jeden von uns ganz nach seinem eigenen Vermögen auf diese Arbeit vor. Und in der Tat empfinde ich es in meinem Glaubensalltag nicht als eine Art Kampf am Jabbok, sondern erfahre viel mehr die barmherzige und liebevoll Art des Hirten, der Seine Schafe nicht wegen jedes Vergehens schlägt oder ihnen eine Hüfte verrenkt. Sein Joch ist ein sanftes Joch und daher ist Er geduldig mit uns – weit über unser Vorstellung hinaus. Und weil ich nicht Jakob bin, kämpfe ich auch nicht in gleicher Weise wie Jakob mit dem Herrn. Das sollte mein Text ausdrücken, nichts weiter.

      Verfasst von Michael Richter | 25. September 2013, 17:38
  2. Hallo Michael Richter,

    es stimmt, es ist eine Menge Text zwischen dem biblischen Text und deiner Deutung!
    Aber auch bei wiederholtem Lesen fand ich leider keine andere Deutung?
    Vergeblich habe ich auch nach einem Hinweis gesucht wer dir vorgeworfen haben könnte, dass du Jakob bist oder so zu kämpfen hast?
    Wenn du nur dies in deinem Text ausdrücken wolltest, dann habe ich dich total missverstanden – bitte verzeih!
    Ich hatte unverschämter Weise gehofft auf eine Erklärung der Überschrift: „Wieso Jakob am Jabbok?“
    Dass der Michael Richter und der Elmar Fritz beide nicht Jakob sind, wußte ich eigentlich schon vorher.
    Dass beide nicht am Jabbok mit Gott gekämpft haben, hatte ich auch schon geahnt.
    Dass du deinen Gott ganz anders erlebst wie Jakob seinen Gott – mag sein, aber erklärt dies die Frage in der Überschrift?
    Oder wolltest du nur ausdrücken, dass du und Jakob an 2 verschiedene Götter glaubt? Dies wäre dann eine mögliche Erklärung?

    Verfasst von Elmar Fritz | 26. September 2013, 16:48

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