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Persönliches

Zeugnis

Mein Name ist Michael Richter. Ich wurde am 6.2.1965 geboren. Meine Eltern hatten sich knapp ein Jahr zuvor kennengelernt und ich bin das Produkt ihrer ersten gemeinsamen Nacht. Meine Mutter wurde ob dieser ‘Schande’ von ihrer Mutter verstoßen und wurde bei den Eltern ihres Mannes aufgenommen, bis ich das Licht der Welt erblickte. Meine ersten 16 Monate durfte ich danach in Frankreich in der Nähe von Paris verbringen, da mein Vater dort als Zeitsoldat stationiert war. Danach sind wir nach Köln umgezogen. Im Juni 1968 wurde mein Bruder geboren. Ca. ein halbes Jahr nach meiner Einschulung zogen wir in eine neue Wohnung, die etwas größer und moderner war. Mein Vater begann nach Ableistung seines Dienstes ein Studium auf Lehramt. Dabei lernte er eine jüngere Frau kennen, mit der er ein Verhältnis einging. Als ich zehn war, ließen sich meine Eltern scheiden. Es gab in dieser Zeit eine Menge Verleumdungen über meine Mutter, die auch von dem örtlichen katholischen Pfarrer mitgetragen wurden. Mein Vater unternahm sogar den Versuch, seine Ehe beim Papst anullieren zu lassen, was jedoch misslang. Meine Mutter durfte sich als Putzfrau durchschlagen, weil mein Vater häufig nicht einsah, seinen Zahlungsverpflichtungen uns gegenüber nachzukommen. Schließlich zogen wir in eine kleinere Wohnung im Nachbarhaus. Während dieser Zeit hatte meine Mutter engeren Kontakt zu einem freundlicher gesinnten Priester. Wir Kinder durften meinen Vater alle 14 Tage am Wochenende sehen. Dies geschah zum letzten Mal, als ich 14 Jahre alt war. Ich erfuhr im Laufe der Zeit, dass er wieder geheiratet und zwei weitere Kinder bekommen hatte. Erst ein Jahr nach seinem frühen Tod erfuhr ich von seinem Ableben. Einen erneuten Kontakt haben wir nicht wieder hergestellt. Meine Mutter unterhielt in der Folgezeit mit wechselndem Erfolg Männerbekanntschaften, von denen eine sogar in eine mehrjährige wilde Ehe mündete. Doch mit großer Regelmäßigkeit gingen diese Beziehungen am Anspruchsdenken meiner Mutter zu Grunde.

Nach meinem Abitur trug meine Mutter dafür Sorge, dass ich mich um diverse Ausbildungsstellen im Elektronikbereich bewarb. Schließlich begann ich eine Ausbildung zum Elektromechaniker bei der damals noch Deutschen Bundespost. Diese Ausbildung befähigte mich, meine zwei Hände ordentlich zu gebrauchen, denn bis dato war ich reiner Schüler und passionierter Stubenhocker geblieben. Ich lernte Metallbearbeitung, Elektrik und Elektronik, Schweißen und vieles mehr. Angespornt durch zwei etwas ältere Ausbildungskollegen begann ich anschließend ein Studium. Denn einerseits wollte ich nicht bei der Post verbeamtet werden und mein Dasein als Lampen­wechsler und Briefkastenmonteur verbringen und zweitens hatte ich kein Interesse daran, mich irgendwo ‘draußen’ zu bewerben. Das Studium habe ich dann mangels Erfolg nach 3 Semestern abgebrochen. Dank dem Umstand, dass meine Mutter  in der Verwaltung der Bundeswehr arbeitete und der drohenden Wehrdienstverlängerung von 15 auf 18 Monate, verpflichtete ich mich dann für zwei Jahre als Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Nach dem Grundwehrdienst durfte ich eine Stelle als DV-Maschinenbediener antreten. Mein ‘Pech’ war, dass kurz nach meiner Unterschrift unter den Zeitvertrag der Wehrdienst von 15 auf 12 Monate verkürzt wurde. Aber das steckte ich weg, denn ich verdiente ja gutes Geld. Ich durfte die restlichen 21 Monate schön bequem in der Schreibstube verbringen und mich mit Personenstandsabfragen beschäftigen.

Dadurch wurde mein Interesse am Computer geweckt. Zwar hatte ich schon wegen des Studiums einen kleinen PC angeschafft, aber so richtig geheuer waren mir diese Dinger nicht. Jetzt aber hatte ich Zeit und konnte mich dank Fachliteratur in das Thema einlesen, bis ich mir einen selbstkonfigurierten PC anschaffte. Mit dem Ende meiner Bundeswehrzeit wuchs dann in mir der Wunsch, in die IT-Branche einzusteigen. Ich war zwar naiv, aber ich wusste endlich mal was ich wollte. Und keiner konnte mir da rein reden.

In meiner Zeit auf der Schreibstube durfte ich menschlich wachsen, was mir auch von meinen Vorgesetzten bestätigt wurde. Mit nun 27 Jahren ging ich hinaus in die Welt und landete erst mal in einer ‘Klitsche’, die im Keller eines größeren Bürogebäudes PCs diverser Firmen reparierte. Das dauerte zu meinem großen Erstaunen nur zwei Monate, denn während dieser Zeit erhielt ich einen verspäteten Rückläufer meiner Bewerbungen von einem kleinen Distributor. Dort boten sich mir ganz andere Möglichkeiten, also warf ich hier das Handtuch – war ja noch Probezeit – und ging dort hin. Dies erwies sich als großer Glücksfall. Denn hier konnte ich alle mögliche Hardware kennenlernen und entwickelte mich im Laufe der Zeit vom kleinen Techniker zum gefragten Mitarbeiter mit breiter Fachkenntnis. In dieser Zeit kauften meine Mutter, mein Bruder und ich unser jetziges Haus.

Aber in der Firma wurden die Zeiten schlecht, denn das Management erwies sich als Missmanagement. Durch einen Kollegen schaffte ich nach nunmehr 4 Jahren den Absprung zu einem bundesweit operierenden Systemhaus. Dort durfte ich als sogenannter Systemberater bei Kunden vor Ort in diversen IT-Projekten unterstützen. Die Entwicklung trieb mich dann Richtung E-Commerce, doch eine kleine Programmieraufgabe zwecks Erfassung der Fähigkeiten aller Mitarbeiter trieb mich dann in die Arme der Softwareenticklung. Ich vollzog einen Wechsel von Köln nach Kerpen und wurde Entwickler für Intranetanwendungen. Zu dieser Zeit wechselte ich auch meinen Opel Corsa gegen eine Fiat barchetta.

War das ein Leben!

Fehlte nur noch eins: eine Frau.

Denn hier hatte ich mein größtes Manko. Schüchtern oder eingebildet, welchen Eindruck ich auch immer hinterließ … Ich hatte nicht kein ‘Glück’ bei Frauen, ich traute mich einfach nicht ‘ran. Also fing ich das Inserieren an. Bis ich schließlich sogar die Hilfe einer professionellen Partnervermittlung in Anspruch nahm. Dies war zwar ein nicht eben kleiner Kostenfaktor, aber ich sagte mir: das jetzt noch und dann ist Schluss. Welche Folgen das gehabt hätte, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Schön wäre es jedenfalls nicht geworden.

Aber, was überhaupt nicht zu erwarten stand, geschah dann doch. Nach ein paar ‘Probeläufen’ lernte ich Herta kennen. Eine Frau mit 14 Geschwistern und aus russlanddeutschem Hause, besser: plautdietsch. Aber noch etwas trat in mein Leben. Herta war baptistisch erzogen und glaubte an den lebendigen, dreieinigen Gott. Den kannte ich bisher nicht, denn ich war längst aus einer Kirche ausgetreten, die sich weder um mich kümmerte, noch mir irgendetwas zu sagen hatte. Taufe, Kommunion, Firmung, Sakramente auf dem Weg zum Heil, pah! Da war mir mein Geld zu schade für. Und nun besuchte ich nach vielleicht 20 Jahren wieder einen Gottesdienst und war überrascht über die völlige Andersartigkeit. Ich hatte natürlich Fragen über Fragen und schließlich schenkte mir Herta eine Luther-Bibel. Ein Jahr, nachdem wir uns kennengelernt hatten, verlobten wir uns. Wieder ein Jahr später heirateten wir. Aufgrund dessen kam es zu zwei entscheidenden Veränderungen in meinem Leben: erstens suchte ich alleine schon für Herta eine Gemeinde in meiner Nähe und zweitens verschärften sich die schon lange anhaltenden Konflikte mit meiner Mutter. Sie konnte nicht los lassen und ich ließ sie zuviel gewähren und ihren Einfluss auf mich ausüben.

Wir hielten es keine zwei Jahre zusammen im Haus aus. Mein Bruder hatte sich schon früher herausdividiert und hatte eine unglückliche Beziehung nebst Kind hinter sich gebracht. Mit meiner Mutter wohnte ich seitdem allein. Sie hatte selbst zu dieser Zeit eine neue Beziehung begonnen, weswegen wir das eine oder andere Mal gerne aus dem Haus komplimentiert wurde.

Im Januar 2004 verstarb Hertas Vater nach langer schwerer Krankheit. Einige seiner schweren Anfechtungen durfte ich selbst miterleben. Nachdem er uns seinen Segen zur Hochzeit versagt hatte – und wie war ich deswegen wütend auf den Mann gewesen, denn ich war ja noch nicht einmal getauft; heute würde ich jedoch genauso handeln – erteilte er ihn uns kurz vor seinem Tod nachträglich, denn in jenem Sommer wollte ich mich taufen lassen.

Herta wurde kurz danach schwanger und gebar im Oktober unseren ersten Sohn.

Ein an sich kleiner Streit wegen der Küchenbenutzung veranlasste meine Mutter dann zum Auszug. Seitdem sind die Beziehungen – wie man in Diplomatenkreisen sagt – eingefroren.

Dennoch fühlte ich mich in jener Zeit vom Herrn getragen. In Gemeinde und Hauskreis lief alles prima und die Taufe im Sommer setzte dem ganzen ein i-Tüpfelchen auf. Ich hatte den Herrn in mir – glaubte ich jedenfalls.

Doch das Jahr 2006 wurde zu einer großen Prüfung. In 2005 wurde in der Gemeinde ein Pastorenwechsel vollzogen. Dieser war, wie auch sein Vorgänger letztlich ein von der Gemeinde bezahlter Pastor und damit automatisch Leiter der Gemeinde. Die Qualität der Predigten nahm ab und berührten mich immer seltener. Auch begann ich langsam die Strukturen der Gemeinde zu durchschauen, wo sich geistlich nichts wirklich bewegte und offensichtlich auch niemand an einer wirklichen Verbesserung interessiert schien.

Anfang 2006 durchlebte die Gemeinde dann Aufgrund der Aktion ‘Leben mit Vision’ in 40 Tagen eine mittelschwere Erschütterung – so war jedenfalls mein Eindruck. Das Buch warf in mir Fragen auf, die ich längst hätte stellen sollen. Der bisher heimelige Hauskreis wurde auf intrigante Weise zerbrochen, zurück blieb ein Terzett der Tapferen, bestehend aus einer Schwester, meiner Frau und mir. Doch in diesem Hauskreis konnte ich meine Fragen nicht beantworten, denn nun war ich – notgedrungen – Leiter und war aufgrund der wachsenden Erkenntnis der dritten im Bunde weit voraus.

Nach einem Gemeindewochenende war der Knoten dann geplatzt. Diese ungeistliche Gemeinschaft wollte ich nicht länger ertragen. Ich schrieb an den Leitungskreis, dass ich alle Ämter niederlegen würde (Webseiten pflegen, technischer Dienst) und mir ein Austritt nicht ferne schien. Die folgenden 3 Gesprächsabende mit dem aktuellen und dem ehemaligen Pastor der Gemeinde verliefen erwartungsgemäß. Es gab keine Annäherung, keine biblische Betrachtung, kein wirkliches Verstehen. Die Positionen der Gemeinde waren einfach zu liberal, ihr Schriftverständnis unklar und teilweise sogar flexibel. Da ich die wesentlichen Punkte bereits schriftlich zum Ausdruck gebracht hatte, blieb mir an jenen Abenden nur, zuzuhören und nicht in Aufregung zu geraten. Der Herr hat mir dies gegeben und so trennten wir uns nicht einvernehmlich. Auch wenn der Eine oder Andere aus der Gemeinde diesen Schritt nicht nachvollziehen konnte, fanden meine Frau und ich doch Rückhalt in unserem jetzt neuen Hauskreis, der aus weiteren Paaren bestanden, die den gleichen Schritt taten, und solchen Menschen, die ihn zwar verstanden, aber nicht mitgehen wollten. Dieser Hauskreis blieb denn auch soweit bestehen. Es gab Zugänge und Abgänge, doch blieb der Zustand des Hauskreises insgesamt geistlich stabil.

Wir fanden eine neue geistliche Heimat in der Gemeinde, die die Eltern meiner Frau mit ihrer Familie damals nach der Rückkehr aus Russland besucht und erst mit ihrem Umzug nach Gummersbach verlassen hatten. Hier hörte ich plötzlich lang vermisste kraftvolle Predigten und schon bei unserem zweiten Besuch wurde aufgerufen zu einem Jüngerschaftskurs. Und da wusste ich, daß Gott mich richtig geführt hatte. Hier konnte ich endlich auftanken und wachsen, wie es der Herr vorgesehen hatte. Wobei ich in jener Zeit immer wieder zugab, dass ich, wäre ich zu Anfang meines Glaubens in eine solche Gemeinde ‘geraten’, ich wohl schreiend hinaus gelaufen wäre ob des doch sehr hohen Anspruches.

Nun aber war ich bereit dafür und nahm den Kampf auf.

Ich hatte mich in meinem Leben nie um die großen Dinge gekümmert. Stets kamen die Impulse von außen. Zuerst von meiner Mutter, dann von wohlmeinenden Kameraden und Kollegen. Mein beruflicher Werdegang verlief so günstig, wie ich ihn selbst nicht hätte planen können. Mein Privatleben wurde eines Tages ohne mein Zutun völlig neu geordnet und mein Leben bekam eine neue Richtung. War erst der Computer das Zentrum meines Denkens und Wollens, so wurde es recht rasch meine Frau und – langsam und mit gnädiger Geduld – schließlich Gott. Dieser Gott hatte mein Leben vollständig im Griff gehabt – und er hat es noch! Er war es, der mich stets behütet hat und mich die richtigen Entscheidungen treffen ließ. Ohne mein Zutun und Bitten hatte Er alles in die richtigen Bahnen gelenkt.

Jetzt habe ich Frau, Familie, Haus, ein regelmäßiges Einkommen, eine geistliche Heimat.

Und mehr und mehr lerne ich Gott zu vertrauen.

Und mehr und mehr prüft er meine Geduld.

Und mehr und mehr bekomme ich Erkenntnis.

Und näher und näher komme ich zu Dir, o Herr.

Ergänzung Dezember 2010:

Inzwischen hat sich das Verhältnis zu meiner Mutter wieder normalisiert. Wir haben zusammen Heiligabend gefeiert! Gott ist wunderbar groß!

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Über Michael Richter

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