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Filme

Das Alte Testament auf DVD

Genesis, Abraham, Jakob, Josef, Moses, Samson und Delila, David, Salomon, Jeremia, Esther – macht zusammen 10 DVDs aus einer Produktion, die sich der biblischen Geschichte annimmt. Ohne teure Spezialeffekte, mit authentischer Ausstattung und erstaunlich nahe am Original. Bei den großen Wundern Gottes griff man wegen des kleinen Budgets zu dramaturgischen Kniffen und billigeren Effekten. Auch wurden den zentralen Charakteren teilweise Worte in den Mund gelegt, die sie so nicht gesagt haben, die aber zu ihnen passen und die Handlung vorantreiben bzw. erklären. Das Zielpublikum sind nicht bibelerfahrene Christen, sondern vielmehr ein breites, an biblischer Geschichte interessiertes Publikum. Und gerade da spielt die Reihe ihre Stärke aus. Jeder Film (und manche sind als Doppelfolge mit fast 3 Stunden Laufzeit ausgelegt) kann als Einstiegspunkt für ein Gespräch über Gott und den Glauben dienen. Einzig Samson und Delilah hebt fast ausschließlich auf eine Liebesaffäre zwischen Samson und Delilah ab, was sowohl die biblische Aussage wie auch die Geschichte verfälscht. Und auch Salomo wird am Ende ein Opfer der Liebe zur Königin von Saba.

Unter Beachtung dieser Fehler ist die Reihe dennoch sehenswert und gibt einen guten ersten Einblick in die Geschichte Gottes mit Seinem Volk. Wer lesefaule Kinogänger zu seinen (unbekehrten) Freunden zählt, findet hier eine gute Möglichkeit, in die persönliche Evangelisation einzusteigen.

Die Fakten: 10 DVDs mit einer Gesamtspielzeit von 1400 Minuten. Mit Richard Harris, Barbara Hershey, Maximilian Schell, Matthew Modine, Lara Flynn Boyle, Sean Bean, Ben Kingsley, Monica Belluci, Christopher Lee, Elizabeth Hurley, Jonathan Pryce, Leonard Nimoy, Ben Cross, Max von Sydow, Oliver Reed, Klaus Maria Brandauer, Jürgen Prochnow. Eine europäische Produktion aus den 1990er Jahren.

  • Drehbuch: größtenteils gelungen
  • Spezialeffekte: ansehnlich
  • Evangelisationswert: guter Einstieg

 Die Filme im Einzelnen:

Genesis

Die Schöpfungsgeschichte wird von einem alten Beduinen erzählt, der damit Gottes herrliches Wort an seine Kinder und Enkel weitergibt. Statt großartiger Spezialeffekte gibt es schöne Naturaufnahmen und schlichte Bilder. Sie berichten von Adam und Eva, von der Ermordung Kains und von dem einfachen leben Noahs und seiner Familie. Die Arche ist nicht im klassischen Sinne gezimmert, sondern ähnlich einem Floß mit Aufbauten nachempfunden. Auch wird die Menge der Tiere nur angedeutet und die Flut erleben wir im Innern der Arche. Letztlich handelt es sich um eine Bildergeschichte mit Erzähler. Somit ist sie auch für verständige Kinder geeignet.

Abraham

Ich war erstaunt, Richard Harris als Abraham erleben zu dürfen. Aber er spielt das große Erstaunen, die tiefe Demut und den treuen Nachfolger mit so einfachen Gesten und Minenspiel, dass ich ihm diese Rolle gerne abnehme. Abraham wird als der einfache Mann auf der Suche nach dem einzigen Gott dargestellt. Einer, der dem Ruf des Herrn willig folgt, weil er spürt, endlich den gefunden zu haben, den er suchte. Sein Gesicht spiegelt dabei auch die inneren Konflikte wieder und der Zuschauer kann sich ganz in die Geschichte vertiefen. Seine ‚Berufung‘ geschieht hier mittels eines plötzlich aus dem Berg stürzenden, reißenden Baches. Die Zerstörung Sodoms und Gomorrhas ist nur als Widerschein in den Gesichtern der flüchtenden Familie Lots zu sehen.

Jakob

Jakob – 4 Frauen, 13 Kinder und vom Herrn als Stammvater Israels auserkoren! Auch hier steht wieder die Einfachheit im Vordergrund. Keine großen Gesten oder pathetische Wortspiele. Einfache Menschen werden hier dargestellt, die ihr tägliches Brot tatsächlich im Schweiße ihres Angesichts erwerben. Die Konflikte der Frauen werden ein wenig hervorgehoben, Esau ist von Sean Bean kongenial dargestellt.

Josef

Ein muskulöser junger Mann auf dem Sklavenmarkt in Ägypten. Dies ist die Eingangssequenz zu Josef. Josef dient in Potifars Haus, bis dessen Frau Josef ins Unglück stürzt. Die Verführungsszene kommt ohne Peinlichkeiten aus und erscheint mir sehr realistisch. Erst beim Verhör durch Potifar erfahren wir Josefs Vorgeschichte: der Hass seiner Brüder, Josefs Träume, Dinas Vergewaltigung und die Rache der Brüder an Sichem. Josef kommt ins Gefängnis und hier wird die große Parallele zwischen Jesus und Josef deutlich hervorgehoben (mit Absicht? – wer weiß …). Denn das Drehbuch lässt Josef den Satz sagen: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Doch Josef demütigt sich im Gefängnis, steigt als Traumdeuter schließlich zum zweiten Mann in Ägypten auf und kann seine Familie vor dem Hungertod bewahren. Seine 10 älteren Brüder werden allesamt als raue Gesellen dargestellt, aus denen sich einzig Ruben und Juda angenehmer hervorheben.

Moses

Eben noch war er Potifar mit kahlem Schädel, jetzt Moses mit vollem Haar – Ben Kingsley. Als Heranwachsender in Konflikt mit seiner hebräischen Herkunft und seiner ägyptischen Erziehung, vom Thronfolger als zweitklassiger Günstling herabgewürdigt, besucht er sein Volk. Er begeht im Affekt einen Totschlag und wird vom Hof verstoßen. Nach einer langen Wüstenwanderung rettet er mit klugen Worten die Töchter des Jitro und heiratet. Er bekommt Kinder und fristet ein Dasein als Schafhirte – bis zu jener Begegnung am brennenden Dornbusch. Noch voller Zweifel macht er sich auf den Weg und trifft unterwegs seinen Bruder Aaron. Zusammen überbringen sie die Botschaft Gottes und erwehren sich der Angriffe aus ihrem eigenen Volk. Schließlich beginnt der Auszug und der Herr beschließt seinen Bund mit Israel am Sinai mit einem mächtigen Sturm. Doch der immer wiederkehrende Abfall des Volkes schwächt auch Mose, so dass er bei Miriams Beerdigung dem Volk wütend Wasser gibt. Dies besiegelt sein Schicksal und er darf das gelobte Land nur von der Spitze des Nebo aus sehen.

Samson und Delila

Leider fokussiert auch dieses Drehbuch auf die – zuerst glückliche – Liebesbeziehung zwischen Samson und Delila und verliert dabei zu einem großen Teil Samsons göttlichen Auftrag aus den Augen. Die Taten des Samson (der tote Löwe und der Honig, das Hochzeitsrätsel, der tödliche Eselskinnbacken sowie die abschließende Zerstörung des Götzentempels) geraten zu nebensächlichen Episoden. So dient der Film allenfalls als abenteuerlicher Liebesfilm und nicht als auch nur annähernd biblisch zu nennende Verfilmung.

David

Bei David sieht dies alles anders aus. Die beiden Bücher Samuel wurden offensichtlich als sehr tauglich für eine gute Verfilmung befunden und bei passender Gelegenheit wurden auch Teile der davidischen Psalmen eingestreut. Während Saul als schwächlicher König schon sehr bald abgehalftert hat, steigt David alsbald zum ernsthaften und gottesfürchtigen König auf. Die Bathseba-Episode gerät zum Höhepunkt des Films, weil er – wenn auch etwas dramatisiert – das göttliche Wirken in den Vordergrund stellt. Auch das Schicksal der Söhne Absalom und Amnon wird bibeltreu wider gegeben.

Salomon

Der Film beginnt mit einem Wagenrennen zwischen Salomon und Scheba, bei dem sich letzterer schwer verletzt. Beim Rücktransport trifft der Tross auf die Familie von Abischag, die hier als kräuterkundige ‚Wunder‘-Heilerin dargestellt wird. So kommt sie auch an den Hof des greisen David. Nach Schebas Aufstand wird Salomo König und bekommt in einem paradiesischen Traumbild vom Herrn völlige Weisheit geschenkt. Diese zeigt sich dann in seiner Außenpolitik, indem er Frauen aus den Königsfamilien der umliegenden Völker heiratet, statt eine kriegerische Auseinandersetzung zu wagen. Auch das salomonische Urteil über die beiden Huren wird groß in Szene gesetzt. Der Tempelbau wird mit großem Pomp beendet. Salomo lehrt das Volk, ist aber auch immer auf der Suche nach Perfektion. Diese meint er dann – abweichend von der Bibel – in der Königin von Saba zu finden, mit der er nicht nur eine Affäre eingeht, sondern ihr auch ein Kind macht. Mit diesem Kind verlässt die Königen Salomo, worauf dieser in eine tiefe Sinnkrise stürzt. Im Alter sucht er Trost und Erkenntnis im ‚Studium‘ der Götzenkulte, den seine zahlreichen Frauen mitgebracht haben.

Jeremia

Dies ist meines Wissens die bisher einzige Verfilmung eines großen Propheten. Doch auch hier genügte nicht die Geschichte des von Gott Auserwählten, man dichtete ihm noch eine Verlobte an, die er sodann aus drohender Sklaverei erretten muss. Doch ein Happy End bleibt Jeremia verwehrt. Als er wieder einmal im Gefängnis ist, wird die Frau bei einem Handgemenge getötet. Nach einer Krise nimmt er jedoch seinen Auftrag wieder an und verkündet das Wort des Herrn, bis Jerusalem von den Babyloniern eingenommen wird.

Apropos Babylonier: als König Nebukadnezar ist hier der profilierte Klaus Maria Brandauer zu sehen, der mit roten Haaren zwar eher wie ein Wikinger daher kommt, aber die Grausamkeit dieses Herrschers gut verkörpert.

Esther

Wer hätte gedacht, dass sich aus einem aus weltlicher Sicht so unwichtigen Buch wie Esther ein anständiger Film machen ließe? Doch in der Tat bleibt der Film der biblischen Vorgabe treu. Haman wird dargestellt von Jürgen Prochnow und Mordechai von F. Murray Abraham. Während Haman mit grausamer Listigkeit gegen die Juden vorgeht, sucht Mordechai den Kontakt zu Esther, um das schlimmste zu verhindern. Da der König Ahasveros eine gewichtige Rolle spielt, er aber in der Bibel nicht genügend charakterisiert wird, erleben wir hier einen häufig cholerischen König aber liebevollen Ehemann.

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

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