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Persönliches

Gemeindegründung?!

Ich mag Amerika nicht. Dieses großspurige Land der sogenannten Freien, ihr ‘In God We Trust’ auf allen Banknoten, ihr weltpolitisches Gehabe, ihre Waffenverliebtheit. All das ist mir zuwider. Insbesondere nachdem im Gefolge des 11.September 2001 die Sicherheitsmaßnahmen bei der Einreise teilweise groteske Züge annahmen. Um es mit Asterix zu sagen: die spinnen, die Amerikaner.

Aber Gott ist ein wunderbarer Gott. Und er liebt auch die Amerikaner. Insbesondere scheint er einen Amerikaner zu lieben, den er mir in den Weg, ja, soll ich sagen, legte? Und zwar so, dass ich ihn nicht übersehen konnte. Und da lernte ich die andere Seite Amerikas kennen. Das Amerika des kleinen Mannes, der in wahrer Gottesfurcht seinem Herrn dient. Und schon differenzierte sich mein Bild des Amerikaners.

Aber: spinnen tun sie trotzdem 😉 ! Wie kommt es, dass diese Menschen ihr Geld und ihre Freizeit opfern, um uns in Deutschland das Evangelium zu bringen? Deutschland, das Land Luthers und das Land mit gleich zwei erklärtermaßen christlichen Parteien. Das Land, welches die Reformation hautnah erlebte, in deren Gefolge die Baptisten entstanden sind. Nun sind die Nachfahren eben jener Baptisten zurückgekehrt, um das Werk, das damals begonnen hat, fortzuführen.

Aber sie tun dies nicht als Bürger eines sich zur Weltpolizei erhebenden Staates, sondern als gottesfürchtige und bibeltreue Knechte des Herrn.

Um es kurz zu machen: so langsam versöhnt mich das mit ‘Amerika’.

Nun ist es dem Herrn gelungen, eine Gruppe baptistisch geprägter, bibeltreuer Menschen zusammenzuführen, um an Seinem Reich mitzuarbeiten. Eine große Aufgabe und eine ebensolche Herausforderung für alle Beteiligten, insbesondere die mit Familie. Die Arbeit, die getan werden muss, bedarf bester Vorbereitung und fordert Verzicht an so manchen Stellen. Entscheidungen müssen getroffen werden, die eine lebenslange Tragweite haben werden. So viel ist sicher. Aber wie kann eine solche Entscheidung getroffen werden, ohne dass alle Fakten auf dem Tisch liegen. (LK 14: 28 Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er die Mittel hat zur gänzlichen Ausführung, 29 damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und es nicht vollenden kann, alle, die es sehen, über ihn zu spotten beginnen 30 und sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen und konnte es nicht vollenden! )

Was also sind die Fakten:

  • Die Gemeinde wird von Grund auf neu gebaut. Wir haben keinen Versammlungsraum, wir haben noch keine Finanzierung, wir haben nicht mal eine große Anzahl Mitglieder.
  • Die Gemeinde soll in Brühl sein und die nähere und weitere Umgebung mit ansprechen. Nur wenige von uns wohnen direkt in Brühl, die meisten kommen von außerhalb.
  • Die Gemeinde soll evangelistisch sein. Wir müssen auf die Leute zugehen, wir müssen ihnen das Evangelium bringen, wir werden sehr fleißig sein müssen.
  • Alles soll starten mit der Hauskreisarbeit. Diese soll gut vorbereitet werden, damit interessierte Menschen nicht gleich wieder ihr Interesse verlieren, nur weil die Umstände nicht stimmen. Auch muss eine klare Ausrichtung auf biblische Aussagen geschehen.
  • Die Hauskreise sollen einladend sein. Am Evangelium Interessierte sollen eingeladen werden, damit wir ihre Fragen beantworten können. Wir müssen diese Menschen möglichst zum Evangelium führen.
  • Doch damit hört die Arbeit nicht auf: anschließend muss ordentliche Jüngerschaft betrieben werden, damit die ‘Neulinge’ an unserer Arbeit teilhaben können.

Dies sind nur ein paar Dinge, die mir spontan einfallen.

Was könnten also unsere Sorgen sein?

  • bin ich bereit dafür?
  • Habe ich den Ruf dazu?
  • Bin ich persönlich fähig zur Evangelisation und Jüngerschaft?
  • Was, wenn ich versage?
  • Was ist mit den anderen Gemeindeaufgaben?
    • Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen
    • Arbeit mit Ehepaaren und Familien
    • Taufvorbereitung
    • Seelsorge
    • Musik
    • Predigtdienst
    • Finanzen
    • Putzdienst
    • usw., usw., usw.
  • Bin ich bereit, dafür entsprechende Opfer zu bringen?

Insbesondere die letzte Frage könnte entscheidend sein. Wir leben alle unser Leben. Wir haben teilweise Familie, teilweise gibt es jung Verheiratete. Wohnungssuche, Nestbau, Arbeitssuche, Familiengründung, die Arbeitsstelle, die Verantwortung für die Familie – all das bestimmt unser Denken. Und dann noch oben drauf Gemeindegründung?

Haben wir überhaupt Zeit für so etwas?

Ich muss ganz ehrlich sagen: das Zeitkorsett ist eng. Mindestens 9 Stunden kostet die Arbeit jeden Arbeitstag, 2-3 Stunden gehen für die allernötigsten Bedürfnisse verloren, dann ist da noch die Familie, die ihren Platz hat und haben muss, und zwischendurch will man ja auch noch Kontakte pflegen. Die Prioritäten hierbei sind eigentlich sonnenklar: Gott – Familie – Gemeinde – und dann der ganze Rest. Viele von uns sind noch in einer Gemeinde tätig.

Für meinen Teil bin ich Gott dankbar, dass Er es mir ermöglicht hat, einen Tag die Woche weniger zu arbeiten, dass ich meinen Dienst in der Gemeinde abgeben konnte und dass ich jüngst ein Evangelisations-’Objekt’ fand. Die Sonntagssitzungen bei Steven (unser Missionar) knabbern aber ziemlich an unserem Zeitplan: da bleibt kaum mehr Zeit zur Pflege von Familienkontakten. Denn der Samstag ist traditioneller Bautag.

Aber Gott hat es gesegnet. Ich erlebe vieles jetzt intensiver, ich erhalte mehr Ruhe, mich um meine Familie zu kümmern, ich beginne, in dieser ‘neuen Ordnung’ zu leben.

Mein Weg ist natürlich keine Blaupause für Andere. So etwas lässt sich nicht einfach übernehmen. Manch einer mag noch große Unsicherheiten haben. Manch einer ist sich der Konsequenzen vielleicht noch nicht wirklich bewusst. Manch einer mag einfach die Gemeinschaft und ist mal dabei und mal nicht.

Aber jetzt geht die Gemeindegründung in eine entscheidende Phase. Nun braucht es klare Entscheidungen und klare Prioritäten. Jeder ist aufgerufen, sich zu prüfen, wann und wie er sich einbringen will. Das kann jetzt sein, oder aber auch zu einem späteren Zeitpunkt. Niemandem wird eine Entscheidung übel genommen, gleichwie sie auch ausfällt.

Ich bin in froher Erwartung eines guten Ausgangs unseres Projektes.

Nachtrag vom 1.4.2014

(Kein Aprilscherz)

Leider hat sich inzwischen herausgestellt, dass das alles ein großer Fehler war. Leider habe ich meine Familie derart vernachlässigt, dass es schon unmöglich erscheint, dass ich das nicht selbts gemerkt hatte. 2 Jahre ist es nun her, seit ich ganz abrupt meinen Abschied von dieser Gruppe genommen habe und mich wieder ganz meiner Familie zuwendete. Wie sich herausstellen sollte, war es ein doppelter Segen für mich: denn erstens konnte ich mich wieder um meine Familie kümmern und zweitens hat das ganze Projekt noch vor dem Jahresende 2012 mit einem großen Knall geendet.

Allen deutschen Beteiligten war nun klar, dass die Strategie hinter dieser Arbeit von einer emergenten Kirche ausging, die mehr auf die Zahlen als auf die Qualität schaute. Dass alle Bemühungen letztlich umsonst waren, weil sich nicht einmal um die wesentlichen juristischen Ding gekümmert wurde. Es gab viel Zorn und Bitterkeit auf beiden Seiten der zuletzt Verbliebenen, aber es endete schließlich mit der Auflösung der Gruppe.

Ich musste inzwischen meinen doppelten Fehler einsehen und diese Sünde vor Gott büßen: Ich hatte nicht die Kosten (insbesondere Zeit) abgeschätzt und ich hatte nicht die Geister geprüft. Dass das andere auch nicht taten, spielt dabei keine Rolle. Jeder trägt seine eigene Verantwortung. Ich wollte groß rauskommen und jetzt backe ich kleine Brötchen. – Und ich bin glücklich damit. Denn nun kann Gott wirklich an mir arbeiten (und nicht ich an mir rumdoktern).

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