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Gemeinde

L – Gottesdienstgestaltung – Die Musik

Ich habe mich lange gesträubt, mich zur Musik zu äußern. Ich bin selbst kein Musiker, fühle mich aber durch manche Instrumente und Rhythmen angezogen, andere wiederum stoßen mich ab. Musik ist nicht unbiblisch und ein Instrument wird allenfalls dann unchristlich, wenn entsprechende Symbole darauf angebracht sind – es wird umgekehrt nicht etwa christlich, weil christliche Symbole darauf haften. Ein Instrument ist – meiner Erkenntnis nach – neutral. Bedeutung erlangt es erst durch den, der es spielt. Man kann es schlecht spielen oder gut – es wird auf jeden Fall Emotionen hervorrufen.

Und da sind wir auch schon beim Kern der Sache: Musik ruft Emotionen hervor. Das ist normal, das ist menschlich und nicht per se gut oder böse. Aber es gibt natürlich gute und schlechte Emotionen. Wenn Musik schlechte Emotionen auslöst, sollte man diese Musik meiden. Wenn sie gute Emotionen auslöst, wird man sie öfter hören wollen. Musik ist also emotional – so wird sie gehört, so wird sie gespielt, so wird sie erlebt.

Zudem ist Musik eine universelle Sprache, sie wird rund um den Globus verstanden – wenn auch nicht immer gleich. Genauso aber wie die Sprache kann die Musik genutzt werden, um zu manipulieren und zu verführen. In der Medizin und anderswo wird Musik zur Beruhigung eingesetzt, im Film zur Betonung oder zum Hervorrufen von Emotionen.

Nun sind vielleicht die meisten von uns keine Musiker. Dennoch fordert uns die Bibel an einigen Stellen auf, dem Herrn zu singen und zu spielen:

Epheser 5,19: „… indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt!“

Kol. 3,16 lautet: „… in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!“

Hebräer 2,12: „Kundtun will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Gemeinde will ich dir lobsingen.“

Verlangt der Herr Unmögliches von den Seinen? Nicht jeder kann singen, oder? Ich habe sicherlich keine gute Singstimme, dennoch habe ich Freude daran, in der Gemeinde zu singen. In der Menge fällt das ja auch nicht so auf. Im Hauskreis dagegen muss man sich schon mehr Mühe geben. Doch auch hier klappt es ganz gut. Wenn sich jemand gar zu unischer ist, wird sich sicher ein Bruder oder eine Schwester finden, die ein wenig Stimmtraining anbieten.

Was aber verlangt nun die Bibel von uns bezüglich des Singens? Zum einen verbietet uns die Bibel nicht das Singen unter der Dusche oder in der Badewanne. Auch das Pfeifen oder Summen von Melodien während eines Spazierganges findet in der Bibel keine Erwähnung. Worum es in den o.a. Schriftstellen geht, ist der Lobgesang in der Gemeinde, also beispielsweise beim gemeinsamen Gottesdienst. Diese Musik wird allgemein Lobpreis genannt.

Wer sich die sogenannte christliche Musikszene anschaut, wird neben manchem Weizen auch eine Menge Spreu finden. Manchmal ist es abhängig vom eigenen Musikgeschmack, manchmal sind es aber auch die Inhalte, die diese Musik transportiert, welche eine Trennung einfach machen.

Daher sollte man sich natürlich ganz genau die Texte anschauen – am besten bevor man sie singt. Werden hier wirklich biblische Inhalte vorgetragen? Dienen diese Inhalte dem Lob Gottes? Zeigen sie eine wahrhaft demütige Haltung vor Gott?

Bei der Musik ist eine Analyse sicherlich schwieriger. Die Bibel hat uns keine Noten oder gar Arrangements hinterlassen. Daher können wir davon ausgehen, dass auch geistliche Musik abhängig ist von Kultur und Zeitalter. Aber eingedenk dessen, dass Musik be-nutzt und damit auch missbraucht werden kann, ist natürlich eine gewisse Skepsis angebracht.

Fragen wir uns also beim Lobpreis im Gottesdienst, welche Wirkung die Musik auf uns hat bzw. haben sollte? Ich soll im Herzen singen und mitten in der Gemeinde spielen – das ist die biblische Aussage. Was aber, wenn mein Herz nicht ‚mitspielt‘? Liegt es dann an mir oder an der Musik? Löst die Musik in mir eine neue Emotion aus, die ich ohne Musik in diesem Augenblick nicht hätte? Benötige ich eine solche Emotion, um Gott näher zu sein? Ist diese Emotion gottgefällig? Würde ich diese Emotion auch ohne Musik haben (wollen)?

Es ist eine Tatsache, dass sogenannte Techno- oder Trance-Musik darauf ausgerichtet ist, den Hörer in einen Zustand zu versetzen, wo er sich der Musik quasi willenlos aussetzt. So kann die Musikindustrie am besten an diesem Hörer verdienen. Es ist ebenso bekannt, dass Musik der ‚härteren‘ Gangart (schnelle Rhythmen und laute Instrumente) Aggressionen auslöst. Manche Musik geht auch ’schnell ins Bein‘ und man kann sich kaum zurückhalten, danach zu tanzen (bzw. sich zu bewegen).

Die Schrift spricht an keiner Stelle davon, dass wir uns von unseren Emotionen überwältigen lassen sollen. Vielmehr heißt es:

1Kor 14,15 Wie soll es denn nun sein? Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand; ich will Psalmen singen mit dem Geist und will auch Psalmen singen mit dem Verstand.

Geist und Verstand sollen wir nutzen bei Anbetung und Lobpreis. Alles, was dem entgegenspricht, hat in einem Gottesdienst nichts zu suchen. Musik erzeugt kein Lob durch Lautheit oder Geschwindigkeit. Die Aufgabe des Musikers in der Gemeinde muss sein, die Geschwister in ihrem Bemühen zu unterstützen, Gott bibelgemäß zu loben. Dazu mag es reichen, den Takt vorzugeben, wozu ein Instrument völlig ausreichend ist. Denn auch hier gilt natürlich die Empfehlung, wie ich sie im Abschnitt über die Techniker gegeben habe. Manche Räume haben auch einfach eine schlechte Akustik und da ist der Einsatz mehrerer akustischer Instrumente eher schwierig. Auch ist der/sind die Musiker keine Vor-Spieler, sondern Mit-Singer. Es bedarf keiner besonderen Präsentation des/der Musiker(s).

Der für die Musik verantwortliche Mitarbeiter in der Gemeinde muss für seinen Dienst ebenso zugerüstet sein, wie es der Prediger ist. Er muss sich im Wort des Herrn auskennen, um die Liedtexte auf ihre Geistlichkeit hin prüfen zu können. Er muss sich auch über die Wirkungen der Musik im Klaren sein. Zudem muss er die Auswahl der Lieder dem Thema der Predigt bzw. des ganzen Gottesdienstes anpassen. Musik im Gottesdienst ist keine Angelegenheit, die man in unerfahrende Hände geben darf.

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

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