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Gemeinde

Wozu die Bibel dient

 Gott hinterließ uns mit Seinem Wort eine vollständige und umfassende Offenbarung Seiner selbst. Sein Wort soll uns jeden Tag begleiten und uns lehren und erziehen (vgl. 2. Timotheus 3,16)i. Damit dies wirksam geschehen kann, müssen wir uns in dieses Wort vertiefen und lernen, uns vom Heiligen Geist im Verständnis der Schrift leiten zu lassen.

Auf dem deutschen Markt befinden sich mindestens 20 Bibel­übersetzungen, die alle von sich behaupten, eine korrekte Übersetzung der urprünglichen Bibel in hebräisch, aramäisch und griechisch zu sein. Hierbei wird unterschieden in Übersetzungen aus dem sogenannten Grundtext und Übertragungen aus bereits bestehenden Übersetzungen.

Manch einer mag sich fragen, wozu all diese Übersetzungen? Anerkanntermaßen ist Deutsch keine leichte Sprache und in all seinen Dialekten besitzt es ein großes Maß an Mehrdeutigkeiten. Zudem befindet sich die Sprache in einem ständigen Wandel, so dass Worte, die gestern noch jeder verstehen konnte, heute nicht mehr verstanden werden oder aber eine veränderte Bedeutung erlebt haben.

Wenn etwas „gar lustig anzusehen“ ist, so verbinden wir dies heute mit etwas witzigem, lachhaften. Vor gut 100 Jahren war „lustig“ aber eher mit positiver Anziehungskraft und Wohlwollen verbunden, etwas was man gerne tat oder sah. Vor 100 Jahren hieß der Keks noch Keek, und vor nicht allzu langer Zeit wurde Portmonee Portemonnaie geschrieben. Dies erklärt zumindest einen Teil der Vielfalt der Übersetzungen. Andere Autoren möchten den Text der Bibel einer bestimmten Volksgruppe näher bringen, wieder andere fühlen sich berufen, besonders präzise übersetzen zu können.

Wer eine Bibelübersetzung prüfen will, sollte sie mit anderen Übersetzungen vergleichen und wird stets sehr große Übereinstimmungen feststellen. Ebenso sollte mit Auslegungen verfahren werden. Letztlich aber muss sich jeder Christ Verfahren aneignen, wie er mit ’seiner‘ Bibel umzugehen hat. Hierbei hilft es, sich eine bestimmte Systematik anzueignen.

Grundlegende Schritte eines systematischen Bibelstudiums sind:

  1. Beobachtung — Was steht geschrieben?
  2. Interpretation — Was bedeutet es?
  3. Anwendung — Was soll ich tun?

Wenn ich herausfinden will, was geschrieben steht, so muss ich den Text, so wie er ist, auf mich wirken lassen und jedes Wort genau anschauen. Dabei spielen Struktur und Atmosphäre sowie die literarische Form eine Rolle. Zuerst einmal muss auch jede Interpretation vermieden und der Text wörtlich betrachtet werden.

Für die Interpretation gibt es folgende Ansätze (die Beispiele sind stark vereinfacht):

  1. Wörtliche Interpretation
  •  
    • Bibeltext: 2. Mose 20,13: Du sollst nicht töten:
    • Interpretation: Ich darf niemanden töten.
  1. Interpretation im Kontext
  •  
    • Bibeltext: 2.Mose 21,24: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß,
    • Interpretation: Es geht hier im Kontext um die unbeabsichtigte Tötung eines ungeborenen Kindes, welche zuerst eine Geldstrafe nach sich zieht. Für jeden weiteren Schaden an der Schwangeren soll aber eine entsprechende Entschädigung erfolgen.
  1. Interpretation unter Beachtung von Geschichte und Kultur
  •  
    • Bibeltext: 3. Mose 12,3: Und am achten Tag soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden.
    • Interpretation: Die Beschneidung ist Bundeszeichen des Herrn mit seinem Volk Israel. Sie gilt natürlich nicht mehr für Christen.
  1. Interpretation unter Beachtung der literarischen Form
  •  
    • Bibeltext: Daniel 7, 3: Und vier große Tiere stiegen aus dem Meer herauf, jedes verschieden vom anderen.
    • Interpretation: Es handelt sich um einen prophetischen Text, in dem Meer für das Völkermeer steht und Tiere für Mächte bzw. Könige und deren Reiche.
  1. Interpretation unter Beachtung anderer Passagen in der Bibel
  •  
    • Bibeltext: 1. Mose 3,1: Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen1 des Gartens dürft ihr nicht essen?
    • Fragestellung: Wer ist die Schlange?
    • Antwort: Offenbarung 12, 9: Und es wurde geworfen der große Drache, die alte Schlange, der Teufel und Satan genannt wird, der den ganzen Erdkreis verführt, geworfen wurde er auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm geworfen. – Die Schlange ist Satan selbst.
  1. Interpretation unter Beachtung theologischer Konsistenz
  •  
    • Bibeltext 1: Lukas 11, 20: Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen.
    • Bibeltext 2: Johannes 4, 24: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.
    • Interpretation: Wer nach Lukas annimmt, Gott besäße in der Tat Finger, widerspricht Johannes, der sagt, Gott sei Geist. (Freilich kann Gott eine Gestalt annehmen, die Finger besitzt.)

Für die Anwendung gilt sodann, das Gelesene anhand der gewonnen Erkenntnis im eigenen Leben umzusetzen. Dies ist sicherlich einfach bei einem Gebot wie: Du sollst nicht töten. Interessanter wird es aber, wenn es darum geht, falsche Abhängigkeiten im eigenen Leben zu erkennen:

  • Hänge ich zu sehr am Geld? (Matthäus 19,16-26)
  • Suche ich Ruhm bei den Menschen und nicht bei Gott? (Apostelgeschichte 5,1-11)
  • Habe ich Gott wirklich mein ganzes Leben übergeben oder schließe ich ihn aus Teilbereichen einfach aus? (Römer 12,1)
  • Suche ich in allem Gottes Willen? (Johannes 9,31)

Hierzu kann ein Buch eines bibeltreuen Autors sicherlich hilfreich sein, denn manchmal fällt es einem schwer, die Worte der Bibel vollständig zu verstehen. Die Literaturliste am Ende des Buches mag hier eine Hilfe sein.

Dennoch kommen wir als Christen nicht umhin, nicht nur täglich in der Bibel zu lesen, sondern diese auch verstehen zu wollen und das, was wir erkannt haben, in unserem Leben umzusetzen.

Jakobus 1,19 Ihr sollt wissen, meine lieben Brüder: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. 20 Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. 21 Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen. 22 Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. 23 Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; 24 denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah. 25 Wer aber durchschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seiner Tat. 26 Wenn jemand meint, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern betrügt sein Herz, so ist sein Gottesdienst nichtig. 27 Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

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