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Persönliches

Zucht!?

Nicht erst seit Ted Tripps Buch zur Kindererziehung wird über die Zucht an Kindern diskutiert. Nur findet diese Diskussion – zumindest online – selten objektiv statt. Manche werden schon bei einem Klaps auf Po oder Hände nervös und rufen nach der staatlichen Ordnungsmacht, manche meinen, eine Ohrfeige hätte noch keinem geschadet (tut sie aber doch!), doch enden diese Diskussionen meist damit, dass irgendwelche Menschen in die Ecke ultrakonservativ und/oder brutal gestellt werden.

In Russland wurden zur Zeit der stalinistischen Christenverfolgung die Christen als Menschenfresser diffamiert, die sogar ihre eigenen Kinder verspeisen. Das verbreitete Angst und Schrecken unter dem Rest der Bevölkerung und sorgte – wie schon einst im Dritten Reich – für entsprechende Stimmung gegen diese Volksgruppe. Die Zeugnisse der Überlebenden jener Zeit sprechen eine deutliche Sprache.

Und so scheint es auch beim Thema Zucht zu sein. Zucht wird mit Prügel gleichgesetzt, diese ist ungesetzlich und jeder, der Zucht ausübt oder das Wort nur in den Mund nimmt, wird als Brutalo diffamiert und soll doch bitte gleich weg gesperrt werden.

Sachlich ist so etwas nicht, dienlich im Übrigen auch nicht.

Letztlich stehen Eltern, die ihre Kinder wirklich erziehen wollen, immer vor der Entscheidung, welches ‚Vergehen‘ welche Strafe verdient. Denn: Strafe muss ein, da sind sich die meisten dann doch einig. Doch welche Strafformen gibt es?

Für mich steht folgendes fest:

  • Essensentzug kommt gar nicht in Frage, denn Essen ist ein Grundbedürfnis und sein Entzug gehört auf keinen Fall in ein wie auch immer geartetes Erziehungssystem.
  • Gleiches gilt für ‚Du gehst jetzt zur Strafe ins Bett‘ oder gar Liebesentzug.
  • Völlig klar (und biblisch fundiert) ist auch, dass Strafe nicht geschehen darf, solange der Elternteil zornig ist.

Und hier fängt ja das eigentliche Dilemma an: wenn man von prügelnden Eltern hört, so haben diese stets im Zorn gehandelt, mal offensichtlich, mal verdeckt. Jede Strafe aber soll mit Augenmaß verhängt werden. Daher haben wir in unserer Demokratie die Gewaltenteilung: einer macht Gesetze, einer führt sie aus, ein dritter sorgt für Bestrafung. In der Familie könnte man maximal eine Zweiteilung erreichen, doch das ist praktisch nicht möglich. Gerade bei kleinen Kindern muss die Strafe in zeitlicher Nähe zur ‚Tat‘ stehen, weil sie sonst keinen Bezug mehr herstellen können zwischen beidem, daher kann hier nicht gewartet werden, bis die ‚Exekutive‘ wieder zu Hause ist.

Verantwortungsbewusste, christliche Eltern sollten ein Schema vereinbaren, nach dem sie Strafen verhängen. Dieses Regelwerk sollte den Kindern altersgerecht beigebracht werden. Bevor über echte körperliche Züchtigung überhaupt nachgedacht werden kann, sollten sich die Eltern fragen: Kann ich das überhaupt?

Kann ich soviel Abstand zu der Situation – die mich ggfs. wütend gemacht hat – bekommen, dass ich meinem Kind

  1. ganz in Ruhe erklären kann, was es falsch gemacht hat (Verweis auf das Regelwerk)
  2. wirklich klar machen kann, dass es die Strafe verdient hat
  3. die Strafe beibringe, ohne es dabei zu verletzen und dabei in der Gewissheit handele, dass es Gott gewollt ist
  4. anschließende meine volle Liebe bezeugen kann

All das muss in meinem Herzen erst einmal ‚funktionieren‘ bevor ich daran denke, mein Kind mit z.B. einer Rute zu schlagen. Die Bibel ist hier sehr eindeutig und wer dies verneint, muss sich vorhalten lassen, die Bibel nicht ernst zu nehmen. Die Sprüche dürfen dabei nicht als Gesetze verstanden werden, sondern als Prinzipien.

Spr 10,13 Auf den Lippen des Verständigen findet man Weisheit; aber auf den Rücken des Unverständigen gehört eine Rute.
Hier haben wir eine der üblichen Gegenüberstellungen in den Sprüchen. Hier wird von jemandem berichtet, der die Worte anderer mit Verstand annehmen kann und sich so zur Weisheit führen lässt. Wer aber fortgesetzt allen Ermahnungen trotzt, soll bestraft werden. Solche Strafen lässt der Staat seinen Bürgern angedeihen, und so sollen es auch die Eltern mit ihren Kindern halten.
Spr 13,24 Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten.
Wer Bestrafung ganz außen vor lässt, macht sich in Gottes Augen strafbar: denn so kann ein Kind nicht Gottes Wege kennenlernen und so wird dem Kind auch keine umfassende Liebe gegeben.
Spr 22,15 Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht treibt sie ihm aus.
Kinder schlagen über die Stränge, Kinder testen ihre Grenzen aus. Gerechte Bestrafung wird ihnen die Grenzen aufzeigen und sie langfristig daran hindern, sie zu überschreiten.
Spr 23,13 Lass nicht ab, den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute schlägst, so wird er sein Leben behalten;
Spr 23,14 du schlägst ihn mit der Rute, aber du errettest ihn vom Tode.
Das klingt jetzt nach Dauerprügel, ist aber nicht gemeint. Ein Kind nur mit Schlägen zu bestrafen ist nicht in Gottes Sinn. Aber wenn man einem Kind sein sündhaftes Verhalten austreiben will, muss man schon zu geeigneten Mitteln greifen. Anderenfalls liefert man es dem sicheren Tod aus.
Spr 29,15 Rute und Tadel gibt Weisheit; aber ein Knabe, sich selbst überlassen, macht seiner Mutter Schande.
Ohne Bestrafung wird ein Kind immer wieder gegen das 5. Gebot verstoßen und somit einer Verheißung verlustig gehen. Wenn man ein Kind nicht mit geeigneten Maßnahmen in die Schranken weist, wird es irgendwann vollständig ausbrechen und geht womöglich verloren.
Wer immer über körperliche Züchtigung nachdenkt, sollte immer bedenken, dass es zwar weh tun soll, aber keine Verletzungen dabei entstehen dürfen. Das Kind muss spüren, dass es etwas falsch gemacht hat. Aber genauso muss es wissen, dass es die Strafe verdient hat, weil es gegen Gott gesündigt hat. Als Vater übe ich im Namen des Herrn diese Gewalt über meine Kinder aus.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mir bisher widerstrebt, so etwas wie eine Rute in die Hand zu nehmen. Nicht, weil ich es in maßvollen Grenzen nicht für ein angemessenes Mittel der Strafe hielte, sondern weil ich mir selbst nicht zutraue, mein Temperament entsprechend zu zügeln, um das geeignete Maß zu halten und die entsprechende Liebe meinen Kindern zu erweisen. Der Herr möge mir diese Schwachheit verzeihen.
Aber das stellt mich vor die Herausforderung, andere geeignete Strafen zu finden. Um nur einige zu nennen: ‚In die Ecke stellen‘, Freizeit-Entzug, Spielzeit-Entzug, Spiele-Entzug, Strafarbeiten etwa im häuslichen Bereich. Doch bei alledem muss ich immer wieder bereit sein, meinen Kindern haarklein zu erkären, warum sie bestraft werden und ihnen auch immer wieder neu zeigen, dass ich sie trotzdem liebe.
Hier besteht die eigentliche Herausforderung. Möge der Herr mir und meiner Frau beistehen bei dieser Aufgabe.
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Über Michael Richter

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