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Persönliches

Ein frühes Zeugnis

Just wieder ausgegraben: Mein Zeugnis zu meiner Taufe im Juni 2004:

Taufe – warum?

Ich wurde als Mitglied der katholischen Kirche geboren und erfuhr als solches die Säuglingstaufe, die erste Kommunion sowie die Firmung. Diese drei Schritte sollen in der katholischen Kirche den Glauben im Kind formen und fördern. Dies kann ohne die Unterstützung der Eltern funktionieren, nicht aber ohne eine entsprechende Anleitung zum Glauben und ein Vorleben dieses Glaubens. Ich hatte damals eine 10-bändige Kinderbibel zur Hand, aus der ich schöne Bilder und gute Geschichten in Erinnerung habe. Leider nicht mehr. Auch wurde der Kirchgang mit zunehmendem Alter mehr und mehr zur Qual, weil es langweilig war und ganz offensichtlich keinen Sinn ergab.

Erst sehr spät – mit 25 Jahren – habe ich dann den entscheidenden Schritt gewagt und trat aus der Kirche aus. Niemand fragte nach dem Grund, niemand war bekümmert, niemand trauerte darum. Es war ein unpersönlicher, geschäftlichsmäßiger Akt.

Ich habe die katholische Kirche nicht als Hort des Glaubens erlebt und kam auch immer mehr zu der Überzeugung, dass ihre Lehren in entscheidenden Punkten falsch sind.

Für die Heiligenverehrung findet sich kein Vorbild in der Bibel, die Grundlage allen Glaubens ist. Auch finden sich keine Hinweise auf Säuglingstaufe, Erst-Kommunion bei Kindern oder Firmung/Konfirmation. Auch die Wandlung von Oblate und Saft/Wein in Fleisch und Blut Jesu Christi ist ein Mythos, der der Verstaatlichung und damit Verweltlichung der Großkirchen Rechnung trägt.

Es gäbe noch mehr dieser Beispiele, aber ich will hier nicht gegen etwas Stellung nehmen, sondern für etwas.

Kein Mensch sah mich als verlorenes Schaf und daher schlief mein kindlicher Glaube ein und wich einem diffusen Glauben an Gott, der irgendwo über den Wolken schwebte und auf mich heruntersah. Aber eine echte Beziehung hatte ich nicht zu ihm.

Als ich meine jetzige Frau kennenlernte, kam etwas Bewegung in meine Welt. Sie gehörte einer Baptisten-Gemeinde an, die zwar konservativ und dennoch erfrischend anders war: jedes Gemeindemitglied konnte aktiv am Gottesdienst teilnehmen und die Predigt wurde bereichert um persönliche Erfahrungen einzelner. Insgesamt war dies deutlich offener als ich es bisher erlebt hatte. Das Konzept gefiel mir. Jedoch erwägte ich keinesfalls einen Beitritt zu einer Gemeinde.

Dann kam die Zeit, da meine jetzige Frau nach Köln ziehen sollte und ich wollte ihr hier eine geistliche Heimat bereiten, da ihr dies sehr wichtig war. Ich schaute mich in der näheren Umgebung per Telefonbuch um und fand recht schnell die Freie evanglische Gemeinde in Brühl-Vochem. Hier wurden wir freundlich aufgenommen und fanden recht rasch auch Anschluss in einem Hauskreis (eine Art Bibelkreis). Hier erfuhr ich sehr viel über den Umgang mit der Bibel, aus der wir einmal die Woche einen Text diskutieren.

Auch mein inzwischen verstorbener Schwiegervater machte mich auf die Bibel aufmerksam; wie sie zu lesen sei und wie ich mit den verschiedenen Übersetzungen umzugehen hätte. Ich bildete mir hierzu meine eigene Meinung und begann, in der Bibel zu lesen.

Meine Frau schenkte mir eine Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984. Aufgrund der Sprache war es teilweise eine Quälerei, sie zu lesen, aber ich schaffte es in einem Rutsch durch die Bücher Mose bis zum 1. Buch der Chroniken. Durch den Hauskreis wurde ich vertrauter mit dem Neuen Testament, das aus meiner Sicht deutlich spannender ist, obwohl es ohne ein grundlegendes Verständnis des Alten Testamentes unvollständig und unverständlich wäre.

Schließlich kaufte ich mir eine Gute-Nachricht-Bibel, welche in modernerem Deutsch geschrieben ist. Durch die Lektüre gewann ich immer mehr Vertrauen zu meinem Glauben und zu Gott. Ich stellte Fragen und begann den Dialog mit Gott. Er wurde mein ständiger Begleiter.

Aber es blieben Unsicherheiten.

Was ist Glauben? Woran erkenne ich, dass ich Glaube?

Ich las in der Bibel von dem alten und dem neuen Bund Gottes mit den Menschen. Zuerst war es nur das Volk Israel, das von diesem Bund profitierte, Jesus Christus erweiterte durch seinen Kreuzestod diesen Bund auf die gesamte Menschheit. Gott will, dass die Menschen zu ihm kommen. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Hierfür gab er uns den freien Willen und seine Offenbarungen in Wort (die Bibel) und Bild (die Welt, in der wir leben). Somit kann jeder jederzeit selbst entscheiden, welchen Weg er oder sie wählen will: zu Gott hin oder von ihm weg.

Dazwischen ist nichts.

Niemand kann zum Glauben gezwungen werden, nicht durch Taufe, nicht durch Überredungskunst, nicht durch Strafandrohung. Niemand außer Gott selbst schenkt uns den Glauben in seiner großen Gnade, wenn wir ihn als unseren Herrn annehmen.

Meine Erkenntnis ist: Gott suchen führt zum Glauben.

Je mehr ein Mensch sucht, desto mehr wird er finden. Mehr Erkenntnis, aber auch mehr Fragen. Nicht alle diese Fragen werden in diesem Leben beantwortet. Die Suche dauert etwas länger als ein Leben. Das erzeugt Stress, denn wer würde nicht perfekt sein wollen in seinem Glauben? Doch wir Menschen sind unvollkommen und neigen zu Fehlern. Die Versuchungen in dieser Welt sind groß und zu lecker/preiswert/leicht zu haben, als dass wir uns ihrer ständig erwehren könnten. Aber wer wachen Auges durch diese Welt geht, wird erkennen, wo er oder sie schwach ist. Diese Schwachheit kann ich Gott eingestehen und um Hilfe bitten. Er wird dieser Bitte nachkommen, denn er ist stets da, wenn man ihn braucht und hilft uns, wo wir es nötig haben.

Nun bin ich also in die Gemeinde integriert, ich bringe mich ein und werde akzeptiert. Ich besuche mit Freude den Gottesdienst und nehme am Abendmahl teil. Ich freue mich auf den wöchentlichen Hauskreis. So höre ich von Gott und erfahre seine Liebe. Auch in meinem täglichen Leben nimmt er eine immer größere Rolle ein. Wenn ich ein Problem habe, bringe ich es vor ihn und merke jedesmal mehr, wie gut das tut.

Vor 3 Jahren noch habe ich die Großtaufe abgelehnt, da sie mir nichts bedeutete. Inzwischen bin ich eines besseren belehrt. Nicht durch einen gestrengen Lehrer oder Gemeindezucht, sondern durch eigene Studien.

  • Taufe bedeutet nicht, Mitglied einer Kirche zu werden.
  • Taufe bedeutet nicht, mit einem Schlag ein neuer Mensch zu werden.
  • Taufe bedeutet auch nicht, von jetzt auf gleich ein perfekter Christ zu sein.

Taufe bedeutet, das bedingungslose Ja des Herrn zu mir in Treue anzunehmen und den Bund mit ihm zu besiegeln.

Daher werde ich mich jetzt taufen lassen. Als Zeichen meiner Erneuerung werde ich im Wasser untergetaucht. Dies versinnbildlicht meine Reinwaschung von meinem bisherigen Leben und den Empfang des neuen Lebens mit Gott. Ich bitte damit Gott, unseren Herrn, vor allen Menschen um die Führung in meinem Leben und die Ausrüstung für den täglichen Kampf gegen das Böse in mir und in dieser Welt.

Wer mich kennt, weiss, dass ich ein rechter Dickkopf bin. Ich bin nicht einer der flexibelsten. Das hilft mir und behindert mich zugleich. Es hilft mir, Neuem und Veränderungen kritisch gegenüber zu stehen. Aber es hindert mich daran, schnell Vertrauen aufzubauen. Aber ich habe mir fest vorgenommen, mich verbessern zu lassen. Hierzu benötige ich in aller erster Linie die Hilfe des Herrn. Auch meine Mitgeschwister bitte ich um ihre Unterstützung. Wann immer ich fehle, bitte ich um konstruktive Kritik. Auch wenn ich zuweilen nicht den Eindruck erwecke: diese Kritik wird gehört werden. Nur so kann ich wachsen und mich verbessern. Ich werde nicht perfekt werden; auch hierzu bedarf es etwas länger als ein Leben. Aber ich habe die Hilfe des Herrn. Immer und überall.

Darauf kann ich vertrauen.

Darauf will ich vertrauen.

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Über Michael Richter

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