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Persönliches

Entscheidungen

Hier noch ein paar Gedanken zu meinen ersten Evangelisationserfahrungen im Herbst 2007:

Vor Gott sind alle Menschen gleich. Wenn wir als Christen eine Unterscheidung treffen wollen, dann nur die in gerettete und nicht gerettete Menschen. Einige möchten vielleicht noch die nicht geretteten in rettbare und unrettbare Menschen unterteilen. Diese Entscheidung steht aber allein unserem Herrn zu. Unser Missionsauftrag gilt für alle Menschen. Wir dürfen uns nicht erdreisten, hier selbsttätig Entscheidungen zu fällen, wen wir nun retten wollen und wenn nicht. Gott wird uns bestimmte Menschen ans Herz legen. Er gibt uns bestimmte Aufgaben, mit denen wir Seinem Ziel näher kommen.

Sein erklärtes Ziel ist die Rettung wirklich aller Menschen. Aus der Offenbarung des Johannes wissen wir zwar, dass eben nicht alle Menschen gerettet werden. Umso mehr muss uns aber daran gelegen sein, mindestens die Menschen zu Gott zu führen, die wir in unserem Bekannten- und Freundeskreis führen. Dass nicht alle Menschen gerettet werden, darf uns auch nicht resignieren lassen. Da wir unmöglich wissen können, ob unser Gegenüber nun zu den Geretteten gehört oder nicht – ja, selbst wenn wir nichts bei ihm ausrichten können und er uns verloren scheint – sind wir in der Pflicht, jedem, aber auch wirklich jedem, die Gute Nachricht zu verkünden. Dennoch scheitern wir im Alltag allzu oft an den scheinbar einfachsten ‚Kandidaten’. Warum ist das so?

Jesus hat immer das persönliche Gespräch mit den Menschen gesucht. Er hat sie sanft, aber bestimmt auf ihre persönliche Sündhaftigkeit angesprochen und ihnen auch immer direkt die Lösung angeboten. Manche nahmen sein Angebot an, andere lehnten es ab. Wir lesen in der Bibel immer nur kleinste Ausschnitte aus dem Leben solcher Menschen. Einige haben Jesus selbst widerstanden als Er vor ihnen stand. Wie sehr glücklich würden wir uns schätzen, wenn Er vor uns stände und uns ein solches Angebot machen würde. Und obwohl diese Neinsager in jenem Augenblick verloren schienen, so kann es doch sein, dass sie später zu einer Umkehr bereit waren. Ja, es gibt sogar Zeitzeugen, die zu bestätigen scheinen, dass selbst Pontius Pilatus später zum Glauben gekommen sein soll. Ich will dies nicht ausschließen, aber hier auch nicht näher auf Einzelpersonen der Geschichte eingehen.

Wir müssen uns heute um die Menschen heute kümmern. Wer immer uns auch begegnet, ist ein potentieller Evangelisationskandidat. Manchen scheint es in die Wiege gelegt, zu evangelisieren. Wo sie auch gehen und stehen, sie erzählen jedem in dieser oder jener Weise von Gott und Seinem Erlösungswerk. Gott braucht solche Menschen. Er braucht sie sogar dringend. Aber was ist mit den vielen anderen Christen, die zwar den gleichen Auftrag haben, aber offenbar nicht so begnadet reden bzw. jedermann so offen ansprechen können?

Viele ziehen sich gern auf ihr persönliches Gebet im stillen Kämmerlein zurück. Dieses Gebet ist wichtig und richtig. Aber ist das alles, was wir Gott geben können? Können wir nicht doch unsere Missionstätigkeit intensivieren? Gibt es nicht doch irgendetwas was wir tun können?

Ich stand während eines Bibelseminars etwas unerwartet vor der Aufgabe, binnen 4 Wochen ein evangelistisches Gespräch zu führen und/oder eine Straßenmission durchzuführen. Ich bin nun kein guter Redner und gerade Fremden gegenüber eher schüchtern. Dennoch: Gott hatte mir bereits für das Seminar einen Partner zur Seite gestellt, mit dem ich dann auch auf christlichen ‚Beutezug’ ging. Wir hatten uns verschiedene Traktate besorgt und wollten damit auf die Menschen zugehen, sie in ein Gespräch verwickeln und ihnen zum Schluss eine Schrift in die Hand geben. Frohen Mutes gingen wir los, doch der Widersacher war stark. Zuerst ließen wir uns auf ein längeres Gespräch mit einem Zeugen Jehovas an einem Stand ein. Obwohl der Mann recht freundlich war und reichlich aus seiner Bibel zitierte, wussten wir natürlich, dass dieser für uns kein Missionsobjekt darstellte, denn hierzu reichten unsere Fähigkeiten bei weitem nicht aus. Aber in den folgenden 90 Minuten brachten wir rein gar nichts zustande. Wir liefen durch die Gegend und bei jedem, der uns entgegenkam, hatten wir schnell eine Ausrede parat, genau diesen nun nicht anzusprechen. Schließlich gaben wir entmutigt auf.

Zuhause klagte ich meiner Frau mein Leid und sie brachte mich auf die richtige Idee: Warum nicht einfach den Menschen Traktate in die Hand drücken und auf eine Reaktion warten? Gott weiß, wie schwierig es ist, fremde Menschen einfach auf der Straße anzureden. Warum also nicht diese Methode nutzen, um den ‚ersten Kontakt’ herzustellen? Wir wagten es noch einmal, und tatsächlich fühlten wir uns gleich besser, als wir das erste Traktat einem Menschen in die Hand gedrückt hatten. Außer einem Danke oder einem verlegenen Lächeln kam zwar nichts zurück, aber schließlich – als es schon Dunkel wurde – schenkte uns der Herr 2 Menschen, die mehr taten. Sie fragten zurück – wer wir seien und wen wir denn da vertreten. Das Gespräch verlief zu meiner eigenen Überraschung letztlich doch positiv, obwohl ich zuerst wenig Hoffnung hatte, einen Anknüpfungspunkt zu finden. Aber der Herr legte mir die richtigen Worte in den Mund und so konnten wir neben einigen Traktaten auch noch ein Johannes-Evangelium weitergeben. Wir waren anschließend völlig perplex! Unsere Herzen jubelten ob dieses Geschenkes unseres Herrn. Wir hatten ein Senfkorn in die Erde gesetzt. Alles Weitere war Gottes Sache. Er entscheidet, ob jemand gerettet wird oder nicht. Er sorgt dafür, dass seine Schäfchen zu Ihm kommen. Er hatte uns als Werkzeug benutzt und wir hatten endlich die Gelegenheit gehabt, Ihm etwas zurückzugeben.

Dennoch – ich will es nicht verheimlichen – bei einer Vielzahl von Leuten haben wir uns nicht mal getraut, Traktate auszuteilen. Aber der erste Schritt war getan, das Eis gebrochen. Wir entschieden uns, mehr zu tun und öfter.

Nun haben wir uns auf den Weg gemacht und werden diesen Weg weiterverfolgen. Vielleicht werden wir keine Weltklasse-Missionare. Aber wir können auf jeden Fall wertvolle Erfahrungen sammeln und Menschen kennen lernen, die uns sonst für immer fremd geblieben wären.

Wir müssen unsere Sinne schärfen für die Menschen außerhalb unseres ‚Christenzirkels’. Wir dürfen uns nicht einmummeln in unsere Gerechtigkeit und darüber schwadronieren, welche Erkenntnis wir schon erlangt haben und beklagen, wo wir noch ach so sündhaft sind. Gott will uns ja umformen. Er ist es, der hier die Aktionen vorantreibt. Wir aber müssen uns in Bewegung setzen, damit Gott uns führen kann. Wenn wir bockig auf unserem Platz stehen bleiben, kann Gott uns nicht bewegen. Es ist wie mit dem Vollbeladenen 30-Tonner-Sattelschlepper: im Stand ist seine Lenkung unbeweglich, wenn er sich aber erst mal in Bewegung gesetzt hat, dann lässt er sich leicht überall hin lenken.

Wenn wir die Bibel studieren und vielleicht noch andere erbauliche Literatur, wenn wir aus Auslegungen und Studienbüchern lernen, wie Gott uns haben will, sollten wir Ihm auch die Chance (und vor allem die Ehre) geben, uns führen zu können. Das Wissen um seinen Willen muss auch das Wollen seines Willens erzeugen.

Manchmal fühlen wir uns vielleicht überladen mit ‚Wissen’ oder ‚Erkenntnis’ und wissen vor lauter Kraft nicht, wohin wir uns wenden sollen. So viele Dinge legt uns Gott plötzlich in unser Herz, so viele Menschen sind in Not, dass wir uns nur so winden. Vergessen wir dabei aber eines nicht: Satan ist stark und er ist schlau! Er macht sich gerade an die heran, welche stark im Glauben sind, aber schwach im Fleische. Hier greift er immer wieder gerne an. Er reizt unser Fleisch, damit der Geist keine Chance mehr hat, zur Entfaltung zu kommen. Dabei können wir uns auf Gott verlassen. Er füttert uns nicht mit dem Besten, was Er zu geben hat, um uns dann einfach stehen zu lassen. Jesus hat nicht 3 Jahre seine Jünger unterrichtet, damit sie hinterher im stillen Kämmerlein ihr Glück beweinen konnten. Nein, er gab ihnen einen Auftrag: Gehet hin und predigt allen Völkern das Evangelium.

Hier steht genau die Reihenfolge: Gehet – und dann predigt Ihr. Wenn uns der Herr heutzutage hervorragende Lehrer zur Seite stellt, die ihre wertvolle Zeit dafür opfern, um uns etwas beizubringen, dann sollten wir dies auch honorieren und das Gelernte anwenden. Tun wir dies nicht, versündigen wir uns. Selig seid Ihr, wenn Ihr es tut! Wenn aus dem so gefestigten Glauben keine guten Werke erwachsen, dann befindet sich der Christ in einer herben geistlichen Schieflage. Hier sollte er sofort den Rat von älteren Glaubensbrüdern einholen, damit seine Gaben nicht verkommen.

 

Manche werden Christen über Nacht, manche müssen sich ihren christlichen Lebensstil hart erarbeiten. Schritt für Schritt wachsen sie in der Erkenntnis, Schritt für Schritt ändern sie ihr Leben. Eine Baustelle nach der anderen tut sich auf und eine Entscheidung nach der anderen muss getroffen werden. Vielleicht ist es zuerst die Frisur, die sich ändert, danach wohl der Musikgeschmack, schließlich die Konsumgewohnheiten im Medienalltag. All das kann binnen Tagen geschehen, es kann aber auch Jahre in Anspruch nehmen.

Schließlich aber werden wir an einem Punkt anlangen, der eine Grundsatzentscheidung von uns fordert: Wie stehen wir den Menschen gegenüber? Die Apostelbriefe beschreiben die Situation ganz gut. Wir sind durchaus bereit und fähig, unsere Brüder und Schwestern in der Gemeinde zu lieben. Wir sind auch fähig, uns mit den anderen Christen weltweit verbunden zu fühlen – solange es nicht konkret wird. Aber wir müssen eine ganz andere Entscheidung treffen. Hierbei geht es nicht um eine flatterhafte Gefühlsduselei, eine Emotion, die sich einstellen soll, wenn uns der Heilige Geist wirklich erfüllt. Nein, hier geht es um eine Entscheidung, die wir aktiv fällen müssen.

Wollen wir die Menschen so lieben, wie Gott sie liebt? – Ja!

Können wir das? – Nein!

Aber wir können uns dafür entscheiden, den Menschen so gegenüberzutreten, dass sie sich geachtet und gewertschätzt fühlen. Ebenso können wir Vergebung lernen, indem wir beschließen, zu vergeben. Auch wenn wir es anfangs nicht können, so ist doch die willentliche Entscheidung zur Vergebung die Grundvoraussetzung für ein Funktionieren dieser Vergebung. Wenn wir diese Entscheidung nicht fällen, bleiben wir stehen, wo wir sind. Gott kann uns dann nicht lenken. Es gibt nichts für Ihn zu tun.

Sicherlich kann es eine Zeit lang dauern, bis wir uns wirklich in Bewegung setzen. Sicherlich kann es auch eine Zeit lang dauern, bis wir überhaupt zu der Erkenntnis kommen, dass Gott unseren positiven Willen benötigt, um an uns arbeiten zu können. Vieles mag von selbst kommen, aber die wesentlichen Dinge benötigen als Voraussetzung unser aktives Wollen.

Wir können bei der Bekehrung Gott unser aktives Ja zu seiner Botschaft geben. Wir können Gott vor der Welt bei der Taufe dieses Ja bekräftigen. Aber so stark und positiv unser Glaube allein sein mag, wenn wir uns nicht in Bewegung setzen, wird Gott uns stehen lassen. Er hätte natürlich die Macht, uns ‚zu übernehmen’ und uns wie Marionetten durch die Gegend hampeln zu lassen. Aber das will Gott eben nicht. Er hat sich keine Marionetten in uns geschaffen, sondern gleichwertige Gegenüber, denen er auf Augenhöhe begegnen kann. Und als solche haben wir einen freien Willen, der uns jederzeit zum Herrn über unser Tun macht. Wenn wir etwas nicht wollen, passiert es nicht, wenn wir etwas wollen, tun wir etwas dafür.

Wenn wir also Gottes Willen wollen, setzen wir uns dafür auch in Bewegung.

Aller Anfang ist schwer. Zuweilen meint man, dass einem noch dies oder jenes fehlt, bevor man nun wirklich starten kann. Manch einer versinkt in Selbstmitleid ob seiner doch so großen Sündhaftigkeit.  All dies entspringt der List unseres Widersachers. Lassen wir uns davon nicht entmutigen.

Einer unserer Dozenten an der Bibelschule hat uns einmal ein wunderbares Zeugnis gegeben, an dessen Ende folgende Begebenheit stand. Nach dem Bibelstudium in Chicago war dieser junge Mann angefüllt mit biblischem Wissen und wusste vor lauter Kraft nicht, wohin er sich wenden sollte. Er lief nachts durch die Straßen und war völlig am Ende. Er bat Gott um etwas, was er als Junge gerne gemacht hatte: er wollte so gern mit Welpen spielen. Einige Zeit später traf er im Park einen Mann, der dort mit zwei Hunden ausging, von denen einer gerade neun Monate alt war. Nun gut, dachte er sich, dies ist zwar kein Welpe mehr, aber ich spiele mit ihm und bin’s zufrieden. Er kam mit dem Besitzer ins Gespräch und schließlich tauschte man die Telefonnummern aus. Am nächsten Tag nachmittags erhielt unser junger Mann einen Anruf von seinem nächtlichen Gesprächspartner. Ob er wohl Lust hätte, mit auf einer Hundeausstellung zu kommen. Nun ja, an Freizeit mangelte es ihm nicht und so sagte er zu. Der Hundebesitzer hatte einen Tierladen einen Block weiter und so traf man sich kurz darauf. Unser junger Freund durfte es sich im Laderaum des Lasters bequem machen. Zu seiner übergroßen Überraschung befand er sich dort inmitten eines Rudels von jungen Welpen. Sein Glück war einfach unvorstellbar.

Gott erhört Gebete. Wir sind einfach zu kleingläubig, um richtig zu beten und dann darauf zu vertrauen, dass auch eintritt, worum wir gebeten haben. Rein aus menschlicher Sicht war die eben geschilderte Gebetserhörung Kleinkram, Killefitz. Nichts, was eine Rolle in Gottes Plan spielen konnte. Aber doch, auch solche Kleinigkeiten gehören zu Seinem Plan. Gott kümmert sich auch um die allerkleinste Winzigkeit. Nichts wird Ihn davon abbringen, für unser Glück zu sorgen. Der junge Mann von eben ist heute Gemeindegründer in Deutschland und eben ein guter Dozent. Er schreibt sogar Bücher und Artikel für Zeitschriften. Gott hatte ihm damals ein klein wenig Glück gegeben, um ihn zu ermutigen. Das hat ihn aus seinem depressiven Loch herausgeholt, daraus schöpfte er neue Kraft.

Und deswegen: beten wir! Beten wir nicht um Kraft und Seinen Segen. Den haben wir. Mit dem Heiligen Geist in uns können wir – wenn es Gottes Plan entspricht – Bäume ausreißen. Worum wir beten sollten, ist, dass wir uns trauen, dass wir Mut fassen, dass wir endlich loslegen, dass wir unsere 400 PS endlich auf die Straße bringen. Ja, wir werden hinfallen. Ja, wir werden uns auch entmutigen lassen. Ja, wir werden herbe Rückschläge erleben. Aber wie groß wird unsere Freude sein, wenn wir in unserem Leben nur einen einzigen Menschen zu Gott führen konnten und uns vergewissern konnten, dass dieser Mensch wahrhaftig gerettet ist. Das ist es, was der Herr von uns will: Ihm Menschen zuführen, die Seinen Heiligen Geist wollen. Die Teilhaftig werden wollen am Reich Gottes. Wenn wir das für einen unter 1000 schaffen, ist unser Auftrag erfüllt.

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

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