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Persönliches

Hat Gott Grund, sich zu beschweren?

Amos, 2. Teil. Nach den Gerichtsankündigungen über die Nachbarn Israels inklusive Juda, nach dem Paukenschlag der Gerichtsankündigung auch über Israel folgt nun die Begründung für all das: Gott spricht: „was habe ich nicht alles für euch getan? Was hat euch je gefehlt, dass ihr von mir abtrünnig wurdet? Womit habt ihr meine Treue belohnt, meine Fürsorge gedankt?“

Das Volk Israel war in ein Land von Milch und Honig gekommen. Nicht nur, dass niemand Leid und Not ertragen musste, nein, es war im Überfluss da. Soviel, dass sogar ein Sabbatjahr eingeplant war – ein Jahr ohne Ernte und trotzdem wäre genug für alle dagewesen. Israel hätte dank Gottes Fürsorge für immer Ruhe vor seinen Nachbarn gehabt – ein geradezu paradiesischer Zustand. Es war nur an eine einzige Bedingung geknüpft: treue Nachfolge. Doch Israel fiel ab. Warum? Und was hat das mit meinem Leben zu tun?

Oft lese ich durch das Alte Testament und denke mir, wie „doof“ die Israeliten doch waren. Allein während der 40-jährigen Wüstenwanderung, wo Gott täglich sichtbar in der Wolken- oder Feuersäule war, wo Gott täglich erfahrbar war durch die Versorgung mit Manna und Wasser, gab es ständig Murren und Zank. Die Menschen trauten lieber auf andere Menschen als denn auf Gott. Doch habe ich das Recht, hier zu urteilen? Hat nicht Gott, der Herr, mich aus der Sklaverei der Sünde herausgeführt? Hat er nicht schon zuvor für mich gesorgt und mir ein bequemes Leben gegeben? Musste ich auf irgendetwas verzichten? Ein guter Job, ein flottes Auto, ein Haus, eine Frau, 3 Kinder – Gnade über Gnade.

Und wie habe ich es Ihm gedankt? Ich habe Ihn lange Zeit nebenher laufen lassen. Der gute Gott da oben wird mir schon meine Wünsche erfüllen und mich bewahren. Er ist doch ein liebender, ein lieber Gott. Wie kann Er da mir, Seinem Kind, Böses wollen oder mich in die Fallen der Sünde tappen lassen? War ich nicht unverlierbar in Seiner Hand? Ich machte mich von Menschen abhängig. Ich ließ ‚erfahrenere‘ Christen mein Leben lenken, wartete auf ihren Input, ließ mich punktuell auf seichte Glaubenserfahrungen ein. Ich nahm zwar die Eheschließung wie auch die Taufhandlung ernst, hatte mich aber nie intensiv damit befasst, sondern verließ mich auf das Urteil anderer. Ich lebte ein Christentum aus zweiter Hand. Ich nahm die Nettigkeit der Leute um mich herum an und genoss es. Ich war harmoniesüchtig und hinterfragte zu wenig. Ich war zwar aus Ägypten ausgezogen, doch noch lange nicht im gelobten Land. Irgendwo in der Wüste hatte ich eine Oase gefunden, die mir alles Notwendige bot. Für das leibliche Wohl war gesorgt und für das geistliche sorgten die anderen. Weh mir!

Bis dann ausgerechnet ein gewisser Rick Warren mit seinem Buch mir die Augen öffnete. Da tauchten dann plötzlich die Fragen auf, die ich längst hätte beantworten müssen. Da fiel mir plötzlich ein, dass nicht alles einfach nur rosarot ist, sondern mit Entscheidungen verbunden. Ich dachte, ich wäre schon angekommen, dabei hatte die Reise eben erst begonnen. Ich durfte mich nicht im gemachten Nest anderer ausruhen, ich sollte lernen. Vor allem sollte ich lernen, in Seinem Wort zu lesen und zu forschen. Doch kaum hatte ich mich mit einen guten Stück Erkenntnis vollgestopft, kamen mir auch schon die Flausen in den Kopf. Nun stand ich mitten in Israel und wollte auf eigene Faust sein Gebiet erweitern. Kaum hatte ich angefangen, ein bisschen zu kapieren, ließ ich mich auch schon als ‚Leiharbeiter‘ (man könnte auch Söldner sagen) von einem abenteuerlustigen Fürsten des Landes abwerben, um Fischzüge im Umland zu machen. Ein an sich ehrenwertes Unterfangen. Aber wer hatte mir dazu den Auftrag gegeben? War mir ein Engel erschienen? Hatte ich mich rückversichert? Hatte ich darüber gebetet? Vor allem: hatte ich die Ziele des Fürsten eingehend geprüft? Hatte ich die Kosten abgeschätzt? Hatte ich auf Gottes Antwort gewartet? Nein, es fühlte sich richtig an, also war es auch richtig. War ich etwa nicht bereit dazu? Hatte ich nicht alles nötige Rüstzeug? Einmal die Bibel gelesen, die Vergangenheit aufgearbeitet und nun – frisch, auf zu neuen Ufern!

Wo blieb meine Dankbarkeit? Wo mein Diensteifer in meiner Gemeinde? Wo blieb meine Familie? Alles blieb auf der Strecke. Der nette Fürst war so überzeugend in seiner Art, dass ich mich ihm verschrieb und sein Wort fast schon für Gottes Wort hielt. Oh, wie verführerisch – wie verführbar bist du doch, oh Mensch!

Doch es brauchte keinen Propheten, sondern einen einfachen Hilferuf aus dem ‚Hinterland‘ namens Familie, der mich zurück in die Wirklichkeit katapultierte. Mich zurück in die Heimat spülte und mich alle Brücken nach außen abbrechen ließ. Der Hasardeur und Abenteurer in mir musste erkennen, dass Gott andere Pläne hatte. Dass Gott ihm auch gesagt hatte, was diese Aufgaben wären, doch er hatte ja nicht gehört. Oh, Mann, wie blind und blöd ich doch bin!

Also kehrte ich zurück in „mein Land“ und buk fortan kleine Brötchen. Ich befasste mich mehr mit dem Wort Gottes und fokussierte mich auf Themen rund um die Familie. Ein weites Land öffnete sich vor mir, ein großer Acker mit sehr unterschiedlichen Böden. Kaum, dass ich den Pflug angesetzt hatte, stieß ich auf die ersten Steine. Mit meiner Unkenntnis und meinem Halbwissen versuchte ich, mich um vieles herumzulavieren. Tat, was mir richtig erschien, und suchte Abkürzungen, Hintertürchen und oberflächliche Kaschierungen. Der Acker schien Ertrag zu bringen, alles lief, doch wie lief es wirklich?

Mein Land war ein Minenfeld des Satans, voller Opferhöhen, Sackgassen und Irrwege. Der schmale Pfad war kaum sichtbar in meinem Leben, denn es gab noch viel Nebel. Vorträge, Sekundärliteratur, Predigten pfiffen nur so um meine Ohren und ich sammelte viel Wissen. Aber wie wohl auch Salomo in all seiner Weisheit sich dennoch verführen ließ von seinen Tausend Frauen, so ließ auch ich alles Wissen in mir, verstaute es gut auf der Festplatte zum jederzeitigen Abruf und dachte nicht daran, dass alles in meinem Leben wirken zu lassen.

Nur: ganz automatisch wurde das Gewissen dabei geschärft. Das Gesetz ist nütze zur Erkenntnis der Sünde – wie wahr, wie wahr. Und so wurde Wissen langsam, ganz langsam zu Erkenntnis und immer mehr rieb sich das Gewissen an der Wirklichkeit. Immer mehr führte Gott mich an meiner Ackerfurche entlang und ließ mich doch nie zufrieden sein. Die Wut staute sich, die Unzufriedenheit wuchs, das Leben wurde zäher, mein Fundament schien zu wanken. Was war denn da los? War ich denn kein Kind Gottes mehr?

Ich glaube, es gibt einen Unterschied zwischen einem Kind Gottes und einem Jünger Jesu, der Ihm bedingungslos folgt. Ein Jünger wird nicht einfach geboren, Gott muss ihn formen, so wie Jesus seine 12 Jünger geformt hat. Manchmal dauert es 3 Jahre, manchmal auch länger. Und ich fürchte, dass das System dieser Welt – je länger man in ihm verhaftet war – immer größere Widerstände in einem Menschen gegen das Gute im Wort Gottes installiert und es so deutlich schwieriger wird für jemanden, der das Leid verdrängt und nur das Gute im Menschen sieht – vor allem in sich selbst – einen Durchbruch zu schaffen. Das ist nicht nur ein Zeitfaktor, sondern vor allem ein Willensfaktor.

Das reine Sündenbekenntnis hilft ja noch nicht, wenn da kein Wille zur Umkehr ist, zur Abkehr von allen Sünden. Vielfach tönt es aus den Lautsprechern der Welt: du bist halt so, da ist nix zu machen. Da kommt dann jedoch regelmäßig das große ABER GOTT! Nur aufgrund der Tatsache, dass ich Sein Kind bin, benutzt Er mich nicht als Marionette in Seinem Plan, sondern erzieht mich hin zu einem Teil Seines Planes. Er nutzt meinen Widerstand, um mir klar und deutlich zu sagen, wie unsinnig dieser doch ist. Immer wieder, in absoluter Treue, mit größter Liebe und Geduld lässt Er Seinen Geist in mir sprechen, damit ich höre. Und je öfter ich höre, desto deutlicher wird es. Je deutlicher es wird, desto klarer ist das Dilemma. Desto mehr ich dann das Dilemma sehe und es gegen Sein Licht halte, desot deutlicher wird schließlich auch der Ausgang, den Er geschaffen hat – lange bevor ich überhaupt geboren war.

Allein Seiner Gnade verdanke ich mein Leben und den Segen in meinem Leben. Doch mein Leben ist noch nicht zu Ende – und Sein Plan mit mir auch noch nicht.

Doch wie schafft es Gott dann, auch hartnäckig widerspenstigen Menschen Seinen unabänderlichen und guten Willen zu verdeutlichen? – Durch Männer, die Ihm treu sind. Durch Männer, die bereit sind, jeden Sonntag das Wort Gottes ohne Abstriche zu predigen. Durch Männer, die nicht von der Kanzel politisieren, sondern exakt das tun, wozu Gott sie berufen und bestimmt hat: „Weide meine Schafe.“

Wie oft hat Gott Israel zur Umkehr gerufen?

Wieviele Predigten brauchte es in meinem Leben, um eine echte Umkehr zu bewirken? Wie oft habe ich den Herrn nicht bis in den tiefsten Winkel meines Herzens gelassen? Wie oft habe ich Ihm widerstanden und dem Satan in die Hände gespielt? Wie oft wird es noch passieren? Wann ist Gottes Geduld zu Ende?

Israel wurde damals stark dezimiert. Zuerst war es die Reichstrennung, dann die Fortführung aller Bewohner des Nordreiches, die bis heute in alle Winde zerstreut sind. Dann wurde auch Juda weggeführt und lebte 70 Jahre lang fern der Heimat. Was soll mir das sagen? Gottes Geduld hat ein Ende! Gott ist treu, aber irgendwann muss Er auch strafen und wo alles Reden nichts nutzt, muss die Rute ausgepackt werden.

Wie gnädig ist Gott da doch zu mir! Er hat mir nichts weg genommen, Er hat mich mit keiner Krankheit geschlagen. Vielmehr ist Sein sanftes Joch zuweilen so unmerklich, dass es fast nicht da zu sein scheint. Und doch: Gottes Meißel arbeitet, nicht hart und Brocken für Brocken, sondern fein, ganz fein in den Ziselierungen, in den äußersten Spitzen.

Und wie trete ich Gottes Gnade mit Füßen? Mit Undankbarkeit, mit Zorn und Wut gegen meine nächsten Angehörigen, mit Nachlässigkeit bei allen Arbeiten, mit Bequemlichkeit, mit der Hingabe an die Schöne Welt des Scheins, mit hohlen Phrasen, mit verächtlicher Verurteilung meiner Geschwister. Doch das Gesetz überführte mich von alledem. Es sagt: sei dankbar in allem, nimm das Gute wie das Schlechte aus Gottes Hand. Liebe deine Frau, deinen Nächsten, deine Feinde wie dich selbst. Sei sorgfältig und wäge die Kosten ab, steh auf und tu etwas – und tue es gut. Gib dich nicht der Welt hin, sondern folge Jesus – vollkommen, hingebungsvoll, demütig. Enthalte dich leerer Reden und rede nur das Gute. Urteile nicht über andere, sondern sieh sie mit Gottes Augen an. Kritisiere nicht die Gemeinde, sondern hilf, wo du nur kannst. Lass Gnade vor Gerechtigkeit wirken, sei geduldig – vor allem mit dir selbst – warte auf Gottes Zeit.

Die Israeliten waren nicht dumm. Sie waren Menschen. Menschen wie du und ich. Ohne einen starken Führer waren sie verloren. Wo sind diese Führer heute? Sitzen sie in den Hauptstädten, in den Zentren der Macht? Sitzen sie in den Konzernzentralen? Sitzen sie in Rom oder Mekka oder Jerusalem? Sind es Vereinsvorsitzende, Superstars oder Supermodels? Wo sind die demütigen und sanften Menschen, die furchtlos ihren Dienst tun und sich allein auf Gott verlassen? Auf der Kanzel kann man sie finden. Dort, wo sie, im Licht der Öffentlichkeit stehend, das Wort in Reinform predigen und das Evangelium allen Völkern bringen. Und dort stehen sie, meist einsam, das Wort unter schweren Geburtswehen hervorbringend, die flehentliche Stimme Gottes verbreitend, Seine liebende Hand allen Menschen hinstreckend, Seine Liebe und Treue lobend, veranschaulichend bis zur Erschöpfung.

Danke Herr, für diese Menschen. Danke Herr für Deine Geduld auch mit ihnen und durch sie. Danke Herr für Deine übergroße Barmherzigkeit und Liebe. Danke für – Alles. Du gibst, oh Herr, so freigiebig und ich nehme so gierig und achtlos. Du legst tausende Geschenke für mich bereit, doch ich würdige sie nicht eines Blickes. Du redest und ich höre weg. Du peinigst mein Gewissen und ich verdränge Dich. Ich höre am Sonntag und vergesse am Montag. Ich applaudiere am Abend und lache darüber am Morgen.

Deine Gnade wird mir immer unbegreiflicher. Und doch wird sie mir immer greifbarer. Denn sie ist das Einzige, was mich am Leben hält. Und je mehr ich los lasse und los werde, desto stärker ist da Deine Gnade. So rein und groß, dass niemand sie je erfassen kann. So oft hast Du sie ausgeteilt und doch wird sie nicht weniger. Deine Gnade umfängt mich, auch wenn ich dagegen schlage. Deine Gnade holt mich zurück, wenn ich mich schon wieder verlaufen habe. Deine Gnade trägt mich, wenn ich in Hoffnungslosigkeit versinke. Werde ich je begreifen, warum Du Dir mit mir soviel Mühe machst? Du stellst mir ein halbes Dutzend Prediger, ein Dutzend guter Redner, wer weiß wie viele Engel und tausend kleine Helfer in den Weg – nur meinetwegen? Das kann nicht sein! Wer bin ich denn, dass ich dieser Mühe wert bin? Ich bin nichts, ein Niemand, viel weniger als ein Hund, der die Krümel vom Tisch seines Herrn isst. Und doch setzt Du alles in Bewegung, um mich zu ernähren, um mich am Leben zu halten, um mich über eine Familie zu setzen und Deiner Gemeinde zu dienen? Das übersteigt alles menschlich Fassbare! Und warum sollte ich es verstehen wollen? Aus reiner Lust am Wissen? Nein, aus dem Hochmut heraus, wie Gott, wie Du sein zu können. Oh, weh mir, das darf nicht sein! Lass es mich einfach annehmen, ich bin es ja nicht wert. Du schenkst es, weil Du mich liebst. Was brauche ich mehr? Lass mich in Dir den Sieg erringen, dass auch mir das Sterben ein Gewinn sein wird, um endlich nur noch bei Dir sein zu können. Lass mich Deinen Frieden zu Lebzeiten haben, damit ich Dir besser dienen kann. Versenke meine Wut im tiefsten Meer und schenke mir die Bereitschaft, allen Menschen zu vergeben. Senke es tief in mein Herz, damit die Helfer Satans kein Durchkommen mehr haben. Dein ist der Sieg, oh Herr! Ich kann Dir nur danken …

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

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