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Persönliches

Vater sein

Byron Forrest Yawn schreibt in seinem Buch What every man wishes his father had told him, dass Väter eine enorm wichtige Rolle im Leben eines Jungen spielen. Sie dürfen nicht einfach nur da sein, sondern sollen sich im Leben ihres Sohnes engagieren. Jungs hungern nach ihrem Vater. Sie erwarten gespannt, dass er nach Hause kommt und dann ist es ein großer Augenblick. Ich erlebe das selbst jeden Tag. Jungs mit schlechten Vätern sind auch mit den Brotkrumen vom Tisch des Vaters zufrieden, wenn sie nur ein wenig von IHM abbekommen. Ein einziges Wort, ein einziger Satz kann ihr Leben grundlegend beeinflussen: „Sohn, ich bin stolz auf dich“. Ebenso sind Worte wie „Du bist ein Versager“ lebensbestimmend. Aber im positiven Fall kann und soll der Vater dem Jungen Bestätigung geben, damit dieser so verwurzelt sein Leben meistern kann.

Mir fehlt diese Bestätigung und so suchte ich mein ganzes Leben lang danach. Mein leiblicher Vater hat sie mir wohl nicht gegeben, aber da war ein Ersatzvater für vier Jahre. Er war nun nicht der Mann, der die Welt aus den Angeln heben konnte, aber er war fürsorglich und hat mich mit in seinen Hobbykeller genommen. Ich weiß nicht, welche Worte er benutzt hat, aber allein dass ein Mann sich um einen heranwachsenden Jungen kümmert, bedeutet viel. Leider hielt die Beziehung zwischen ihm und meiner Mutter nicht so lange. Noch leiderer muss ich aus der Erinnerung sagen, dass meine Mutter ihn durch ihre Art wohl aus dem Haus getrieben hat. Somit hatte sie meine wohl letzte Chance auf einen Vater zunichte gemacht. Eine Sache, die mir schwerfällt, sie ihr zu vergeben.

So war es denn auch nicht verwunderlich, dass ich meine Bestätigung bei den paar Freunden suchte, die ich hatte. Und später wurde nahezu jeder auch nur etwas ältere Mann, der freundlich zu mir war, schnell zum Idol. Und den Rest besorgte das Fernsehen.

Nun, wo stehe ich jetzt?

Quasi vaterlos aufgewachsen, umherirrend und suchend nach einer Bestätigung meiner selbst, micht selbst verstrickend in allerlei Träumereien und Selbstquälereien, mit einer Mutter, die auf diesem Gebiet nichts ausrichten konnte (qua ihres Geschlechtes), einfach nicht wirklich zu einer stabilen Männlichkeit erzogen – so fand mich Gott, der Herr. Und in seiner unendlichen Gnade reichte Er mir die Hand und fragte mich „Darf ich Dein Vater sein?“

Nicht einfach ein Freund, sondern ein fürsorglicher, treuer, bedingungslos liebender Vater, Der immer da ist, Der sich alles anhört, Der mich tröstet, Der mich beschützt, Dessen Arme für mich immer offen sind, Dessen Opfer für mich so groß ist, dass ich es nie begreifen werde, Der mich unverdient Seinen Sohn nennt, Der mir Gnade über Gnade erweist, Der mein Leben – absolut unverdient – mit Segen überschüttet, Der keine Sünde in Seiner Nähe duldet und doch mich kleinen Sünder annimmt, Der nie aufhören wird mich zu lieben, Der mir dient, damit ich ein besserer Mensch werde, Der meine Bedürfnisse genau kennt und bereit steht, sie alle zu erfüllen – Dieser schier unglaubliche, aber eben absolut glaubhafte, authentische, ewige, große Gott bietet mir kleinem Erdenwurm Seine überaus kostbare Vaterschaft an. Und ich muss nichts weiter tun, als das zu glauben und ja zu sagen. Er verlangt mir nichts ab, was ich nicht schaffen kann. Er bürdet mir keine Lasten auf, die ich nicht tragen kann. Er läuft hinter mir her, auch wenn ich grad nix mit ihm zu tun haben will. Und er ist nicht nur mein Vater, sondern zugleich mein Herr, mein König, mein Erlöser, mein Gott.

Und eben Dieser Gott schenkt mir eine Familie, die ich kleiner Versager führen soll. Er setzt mich zum Hohepriester und Lehrer ein. Er schenkt mir drei Söhne, an denen ich der Welt und auch meiner Mutter zeigen kann, dass es ein anderes Leben gibt. Ein Leben ohne die ewige Ungewissheit. Ein Leben, in dem ich weiß, woher ich komme, wohin ich gehe und wozu ich da bin. Und trotz all meiner Fehler (vulgo Sünden!) ist Er absolut treu und fängt jeden Tag wieder von vorn mit mir an. Trotz all meines Sträubens hört Er nicht auf, mich immer wieder aufzurichten, mich durch Sein Wort zu stärken und zu belehren. Er ist das absolute Vorbild an Männlichkeit und Väterlichkeit. Er hat all diese Dinge ‚erfunden‘ und erschaffen. Er macht keine Fehler. In Ihm und durch Ihn und mit Ihm wird alles gut und ist alles gut.

Herr ich glaube all das, und es bewegt mich zutiefst. Und doch verzweifle ich oft an meinem Versagen. Herr, hilf mir, ein guter Vater zu sein. Lass mich an meinen Söhnen nicht nur sehen, wie gut Du bist, sondern lass mich Ihnen ein guter Lehrer Deiner guten Lehre sein. Lass mich ihnen nicht mehr abverlangen, als sie fassen können. Lass mich ihnen der Vater sein, den Du haben willst. Und lass mich ihnen dadurch Dein Licht zeigen, das sie durch ihr ganzes Leben tragen wird – unter allen Umständen, gegen alle Widrigkeiten und gegen jede menschliche Vernunft.

Ich habe es nicht verdient und dennoch willst Du mir das alles geben, denn das ist Dein Plan für mich. Ich danke Dir dafür. Amen.

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

Diskussionen

Ein Gedanke zu “Vater sein

  1. Gottes erstaunliche Vaterliebe ergreifend beschrieben von einem, der sich an ihr freut. Wie so häufig leuchtet die neu gewonnene Erkenntnis, Diamanten gleich, besonders auf dunklem Hintergrund. Ist die Freude an Gott nicht etwas sehr, sehr Großes? Nur in der Stille und mit vielen guten Entscheidungen und Absagen an den Lärm kann sie gefunden werden, finde ich.

    Verfasst von Annette Schorre | 29. Januar 2015, 10:26

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