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Persönliches

Mein Herz

Was bedeutet es mir, Gott mein Herz zu geben?

Ich denke, es ist vielfach missverständlich, wenn die Bibel davon spricht, etwas von Herzen zu tun oder sein Herz zu geben. Wenn ich das wörtlich nehme, verstehe ich es so, dass mein Herz ganz bei der Sache sein muss bzw. der Herr mein Herz haben soll. Da aber die Worte und Vorstellungen in dieser Zeit andere sind als zur Zeit der Bibel muss ich immer wieder feststellen, dass mein Herz eben nicht immer ganz dabei ist und dass es nicht ganz dem Herrn gehört. Vielmehr ist es mein Kopf, der – zumindest ansatzweise – in diese Funktion tritt. Mein Herz aber macht, was es will. Liegt das nun an der mangelnden Begeisterungsfähigkeit, die gerade uns Deutschen so gerne nachgesagt wird? Nun, ich denke, die Fußballstadien, der Karneval und ähnliche Veranstaltungen sprechen hier eine andere Sprache. Begeistern können wir uns schon – nur eben nicht vom Heiligen Geist. Hm, warum ist das so? Ist das das alte Preußentum: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht und Gehorsam bis zur Selbstaufgabe? Oder zerreißen wir uns zwischen unserer Vorstellung von Ehrerbietung und Ernsthaftigkeit und unserer Abscheu vor wildem Gejohle und Getanze? Sicher, außer Kontrolle sollten wir nicht geraten. Doch nicht jeder muss seine Kontrolle behalten, sondern sie abgeben an Gott. Bei allen heidnischen Ritualen, die die Großkirchen auf der ganzen Welt durchdringen, bei all den schlechten Beispielen aus der charismatischen Ecke, bei all dem Befremden, das wir z.B. afrikanischen Gottesdiensten entgegenbringen, sind wir Deutschen einfach nicht in der Lage, uns angemessen zu freuen – zumindest nicht mit körperlichen Ausdrucksformen. Da stehen wir dann lieber starr und stumm und freuen uns inwendig, als es auch mal nach außen zu zeigen. Schließlich könnte uns die Begeisterung der anderen so mitreißen, dass wir uns selbst vergessen. Und dann tun wir plötzlich Dinge, die wir gar nicht wollen.

Aber was hat denn David beim Einzug der Bundeslade in Jerusalem getan? Er hat sich keineswegs zurück gehalten. Und hat das Volk Israel nicht nach dem Durchzug durch das rote Meer gefeiert? Haben die dabei einfach nur rumgesessen und zugeguckt, wie ein paar Vortänzer ‚herumhoppsten‘? Wie drücke ich aus, dass mein Herz sich freut über den Herrn?

Mein analytisches Hirn drückt das gern in Worten aus – und zwar solange, bis selbst die größte Freude komplett zerredet ist und nur noch ein schwacher Hauch davon übrig bleibt. Warum? Weil ich nicht die Kontrolle verlieren will. Weil ich immer noch Herr über mich selbst sein will. Wie komisch erscheinen mir diejenigen, die voll (stiller) Begeisterung auf Menschen zugehen und sie mit liebevollen Worten eindecken. Das ist nicht nur einfach befremdlich, sondern fast schon abstoßend. Aber wie drückt sich Sanftmut denn sonst aus? Und Sanftmut kann man nicht nachmachen, wenn man sie nicht im Herzen hat. Denn Sanftmütigkeit ist das Letzte, was diese Gesellschaft akzeptiert. Man wird für weich und schwach gehalten, hat also kein Durchsetzungsvermögen und ist somit im Abseits. Härte und eiserne Disziplin sind gefragt. Insbesondere Männer müssen immer noch hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder sein – und die emanzipierten Frauen holen hier auf. Indianer weinen nicht – und basta. Männer, die sich liebevoll um Kinder kümmern, geraten leicht in die Ecke der Pädophilen. Echte Liebe zeigen ist out.

Doch was sagt die Bibel?

Mein Herz gehört genau so wenig mir wie der Rest meines Körpers. Mein Geist ist wie mein Körper von Gott gegeben. Mit der Sehnsucht nach Liebe und mit der Gabe, diese Liebe auch weiterzugeben. Doch das funktioniert nicht, solange ich die Kontrolle behalten will. Das funktioniert nicht, solange mein Ich auch noch die Funktion des Heiligen Geistes übernimmt, um mich zu disziplinieren, zu ermahnen, zu ermutigen. Denn ich bin fehlbar und leite mich selbst in die Irre. Daher kommen all die Zweifel und die Entmutigung. Daher erleide ich Rückschläge und sehe manchmal den Weg nicht mehr.

Mein Herz ist eingepackt in die Härte dieser Welt. Mein Herz gehört aber Gott. Lasse ich Gott in mein Herz vordringen? Gebe ich Ihm die Kontrolle? Vertraue ich Ihm? Wird das, was mein Kopf weiß und meine Lippen reden auch Wirklichkeit? Bin ich bereit, alles Ihm zu übergeben?

Meine Verletzungen, meine Scham, meine Angst, meine Zweifel, meine Sorgen, meinen Besitz? Oder bin ich Gollum, der seinen Schatz bis in den Tod mehr liebte als sein Leben? Was kann es denn kostbareres geben als Jesus und seinen Frieden?

Fürchte dich nicht! Geh zu Ihm und gib Ihm alles. Lass dich darauf ein. Er wird dich halten!

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

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