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Der glimmende Docht

Kaum einer von uns wird sich noch mit Öllampen auskennen. Wir kennen den Docht meist von Kerzen und da gibt es diese lustigen Dinger, die man auspusten kann, die aber gleich wieder angehen. Bei normalen Kerzen glimmt der Docht nach dem auspusten noch kurz nach, bevor er ganz ausgeht. Der Docht zu biblischen Zeiten befindet sich jedoch in einer Öllampe. Er wird durch eine schmale Öffnung im Deckel oder Ausguss einer Lampe eingeführt, so dass er in das Öl hineinragt und sich richtig mit dem Öl vollsaugen kann. Doch ist das Öl so dickflüssig, dass der Docht sich nicht bis obenhin vollsaugt. Der Docht an sich besteht schon aus brennbarem Material (Stoffreste oder Ähnlichem), aber er würde verbrennen, wenn er nicht ständig mit Öl aus der Lampe getränkt würde. Geht das Öl zur Neige und wird es nicht rechtzeitig nachgefüllt, verbrennt der Docht, was häufig auch zu einer höchst unangenehmen Geruchsentwicklung führt. Dieser Gestank kann dann schon mal eine ganze Hütte füllen und die Lampe muss dann entsorgt werden. Zumindest der Docht ist dann nicht mehr zu gebrauchen und je nach Material und Alter der Lampe stinkt diese auch nach einer Reinigung noch empfindlich.

Von Gott jedoch erhalten wir in Jesaja 42,3 und Matthäus 12,20 die Zusage: „den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“. Solange also noch ein Rest Glut im Docht zu finden ist, wird unser Herr ihn nicht auslöschen. Wer ist dieser Docht und was hat es mit dem Öl auf sich?

Der Docht ist ein Sinnbild für den Christen, der durch die Gnade des Herrn mit dem Feuer des Heiligen Geistes ausgestattet wurde. Dieses Feuer nun kann im Laufe eines Christenlebens mal mehr und mal weniger brennen. Der Grund dafür kann einmal in der Zeit liegen – ein jung bekehrter Christ wird möglicherweise noch wenig von der Gnade des Herrn annehmen können – zum anderen einfach in den Lebensumständen – wer große äußere Not erleidet, wird ein ums andere Mal am Herrn zweifeln und sich nicht völlig an Seiner Gnade laben können. Im Allgemeinen aber ist das Feuer des Heiligen Geistes und unsere Bereitschaft, allein in und von der Gnade unseres Herrn zu leben, mit unserer völligen Verderbtheit vermischt. Unser egoistischer Stolz wird immer wieder zum Angriff auf unser Herz blasen und Satan wird dies schamlos ausnutzen, um unser Feuer auszulöschen. Doch in all den Fährnissen des Lebens dürfen wir uns auf die Zusage unseres Herrn verlassen: „den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“.

So wenig Öl sich auch in der Lampe bzw. in dem glimmenden Docht noch befindet, wie wenig Glut dadurch auch noch vorhanden sein mag, Christus wird diesen kleinen Rest nicht auslöschen. Er wird es nicht tun. Wir können Ihn in keinster Weise dafür verantwortlich machen, dass unser Feuer nicht brennt.

Jesus steht für uns ein und ist jederzeit bereit, unsere glimmende Glut wieder zu einem Feuer anzufachen. Doch wenn wir auf die Natur schauen, sehen wir, dass große Dinge Zeit brauchen und doch oft aus etwas kleinem hervorgehen. Die kleine Eichel, wenn sie nicht vom Eichhörnchen stibitzt wird, bringt einen winzigen Spross hervor, der über Jahre und Jahrzehnte zu einem kräftigen, wunderbaren Stamm mit ausladender Krone heranwächst. Aus der Stärke seiner Verwurzelung zieht er die Kraft, Stürmen zu trotzen, Blitze auszuhalten und dabei auch noch vielen Vögeln und Insekten nicht nur Nahrung sondern auch Schutz zu bieten. Wie groß so ein Baum wird, wie ausladend seine Äste einmal Schatten spenden werden ist alles bereits in dem kleinen Samen der Eichel angelegt. Exakt so verhält es sich auch mit uns Menschen.

Durch die Erwählung vor Anbeginn der Zeit gibt es für jeden von uns einen klaren und unabänderlichen Plan, den Christus mit uns verfolgt, sobald wir uns Ihm zugewandt und Sein Heil angenommen haben. Diesen Plan verfolgt Er irrtumslos und ohne einen Schlenker oder Haken mit uns. Und daher gibt es keinen Grund zu irgendeinem Zeitpunkt darüber zu jammern, wie klein doch die Auswirkungen der Gnade in unserem Leben oder wie gering doch unsere Früchte sind.

Epheser 1,3-6: „3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen [Regionen] in Christus, wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe. Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.“

Am Anfang unseres Christenlebens kann die Gnade aufgrund unserer Verderbtheit uns noch nicht so durchdringen, wie sie es (hoffentlich) am Ende unseres Lebens tut. Da sind noch jede Menge Baustellen, die wir mit Christus zusammen abschließen müssen. Aber deswegen gibt es keinen Grund, die bereits vorhandenen Auswirkungen der Gnade gering zu schätzen.

Dem Herrn ist das kleine wichtig und auch die Schrift zeugt oft von Kleinem. Die kleinen Kinder stehen immer unter dem besonderen Schutz des Herrn. Gott verherrlicht sich, wenn eine kleine Schar Männer sich Ihm anvertraut, um den Sieg gegen einen übermächtigen Feind zu erringen. Samuel war klein, als seine Mutter ihn in die Obhut des Herrn gab. David war klein (zumindest kleiner als Saul) als er zum König von Israel wurde. Das kleine Mädchen im Haushalt des Naeman wurde zur Botschafterin des Heils Gottes. Bethlehem war die kleinste unter den Städten und doch erwählte Gott sie als Geburtsort Seines Sohnes. Das Volk Israel bildet bis heute die kleinste Nation und doch steht es im Mittelpunkt des Interesses und ist segensreich für die ganze Welt.

Genügt das, um uns davon zu überzeugen, dass das Kleine bei unserem Herrn nicht nur nicht untergeht, sondern ganz weit vorne steht? Und sind wir uns stets bewusst, dass das, was uns da klein hält, gewiss nicht Christus ist, sondern unsere Verderbtheit? Wir sind es, die Christus nicht alles zutrauen. Wir sind es, die allzu oft die Dinge in die eigene Hand nehmen wollen. Wir sind es, die auch immer wieder falsches Feuer in unserem Leben zulassen. Wie heißt es doch: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ (Mt 26,41). Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir nicht völlig mit Gnade getränkt sind, denn unser Körper ist immer noch in dieser Welt verhaftet. Er muss hier leben und das ist gut so. Was wäre das für ein Sieg für den Herrn wenn Er uns mit unserer Bekehrung sogleich in das Paradies einließe? Dann würde es ja jeder machenJ.

Wie hat sich denn Mose am Roten Meer verhalten als sich vor ihm das unendliche Wasser auftat und hinter ihm die Streitwagen des Pharao anstürmten? Wie würden wir in einer solchen Situation reagieren? Können wir dann den Glauben aufbringen, auf den Herrn zu vertrauen? Das Volk konnte es nicht und so würde es wohl vielen von uns auch ergehen. Dann können wir nur noch wirr zum Herrn um Hilfe schreien und dürfen auch dann darauf vertrauen, dass der Heilige Geist unser Gebabbel mit „unaussprechlichen Seufzern“ für uns eintritt (Röm 8,26).

Und was war das denn für ein Zeugnis Davids, als er sich vor dem philistäischen König von Gat irre stellte? Auch er war zu diesem Zeitpunkt nur ein glimmender Docht. Denn in der Not war er aus Israel geflohen, um beim Erzfeind Israels Unterschlupf zu finden. Er war der Verfolgungen Sauls so müde, dass er sich lieber dem Feind auslieferte. Psalm 31,23 liefert ein Zeugnis davon: „Ich hatte zwar in meiner Bestürzung gesagt: »Ich bin verstoßen von deinen Augen! « Doch du hast die Stimme meines Flehens gehört, als ich zu dir schrie.“ Rauch und Feuer. Rauch in der Verzweiflung, dass Gott ihn verstoßen hätte und Feuer in der Erhörung des Gebetes.

Selbst wo der Herr selbst zugegen war und ruhig schlief, schrien die Jünger im Sturm nach Hilfe. Hätten sie sich nicht einfach ein Beispiel an ihrem Herrn nehmen können? Er schlief, weil alles unter Seiner Kontrolle war. Es bestand objektiv keine Gefahr. Ja, der Sturm zerrte an dem Schiff, aber nicht so, dass es kentern oder bersten würde. Darum schlief Jesus. Er schlief nicht, um Seinen Jüngern Seine göttliche Überlegenheit zu demonstrieren, denn Er war ganz Mensch. Er schlief, weil es nichts zu fürchten gab und Er auf Seinen Vater vertraute.

Auch in Mk 9,24 sehen wir das Feuer und den Rauch: „Ich glaube, Herr; hilf mir, [loszukommen] von meinem Unglauben!“ Oder bei Jona 2,5: „Und ich sprach: Ich bin von deinen Augen verstoßen; dennoch will ich fortfahren, nach deinem heiligen Tempel zu schauen!“. Auch bei Paulus lagen Rauch und Feuer dicht beieinander: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib? Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! So diene ich selbst1 nun mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.“ Und auch die 7 Gemeinden aus Offenbarung 2 und 3 besitzen zwar Licht, doch es ist auch viel Rauch in ihnen.

So ist auch in uns immer Rauch und Feuer. Sehen wir auf unsere Sünden und unsere Unvollkommenheit, so geben wir dem Rauch den Vorzug. Dienen wir aber dem Herrn dennoch und können Seine Stärke loben und Ihm für Seine Rettung danken, dann sind wir im Feuer.

Sollte uns das wundern? Wie schon gesagt, wir leben eigentlich zwei Leben: im Geist und im Fleisch. Unser Wille kann sich mehr und mehr dem Herrn unterordnen, aber unser Fleisch ist doch fest mit dieser Welt verbunden. Treibt uns das aber in den Wahnsinn? Nur wenn wir uns uns selbst überlassen und uns nicht in der Gnade unseren Herrn wiederfinden. Selbstsicherheit und Stolz sind es, die für uns eine tägliche Gefahr bilden. „Ich kann das alleine“ ist geradezu tödlich für unser Feuer. Der Docht kann nicht lange brennen ohne das Öl. Und am Ende ist er verbrannt.

Es gibt einen modernen Begriff dafür: Burnout. Es wird viel darüber diskutiert, wer denn Schuld ist an so einem Burnout und allzu oft wird die Schuld (gemäß den gängigen psychologischen Denkmodellen) bei anderen gesucht: dem Chef, den Kollegen, der Familie usw. Doch das wichtigste, was Burnout-Patienten lernen müssen ist, dass sie selbst einen großen Beitrag zu ihrer Misere geleistet haben. Sie haben ihre eigenen Ansprüche an sich selbst zu hoch geschraubt. Sie habe zu oft nicht Nein gesagt. Sie haben alle Warn- und Haltesignale übersehen und überfahren und wollten um ihrer selbst Willen ihren eigenen Kurs fahren.

Und das kann auch einem ganz normalen Christen in seinem ganz normalen Leben passieren. Das Streben nach Heiligkeit kann so sehr durchsetzt sein mit eigenen Anstrengungen, selbst erstellten Gesetzen und immer mehr Diensten zum eigenen Nutzen, dass irgendwann einfach Feierabend ist. Auf dem Weg dorthin mehren sich Frustration, Wut, Zweifel, ein Nachlassen des Gebetslebens, Verschenken von Zeit, Verdrehung der Prioritäten bis zur Unkenntlichkeit und Vereinsamung. Sodann folgen die körperlichen Zeichen: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, häufige vorgeblich kleine Krankheiten, Mangelerscheinungen aufgrund falscher Ernährung bis hin zu wirklich heftigen Reaktion wie Hirn- oder Herzschlag.

Wenn wir uns von dem Leistungsgedanken dieser Welt in unserem Bestreben nach Heiligung leiten lassen, landen wir auf der Verliererstraße. Das Streben nach Heiligung ist an sich natürlich nicht verwerflich, aber mit welchen Mitteln? Und wenn sich meine Heilsgewissheit oder die Stärke meines Glaubens auf den Level meiner Heiligung stützt, dann stehe ich ganz schnell im Regen und werde völlig wirr im Kopf durch die beständige Achterbahnfahrt meiner geistlichen Regungen. Worauf ist in meinem Glauben Verlass? Auf meine Rechtfertigung, die aus Gnade an mir geschieht. Sie ist aber kein Zustand, sondern eine Stellung vor Gott, vollbracht durch das Werk Jesu Christi. Es ist Sein Werk und kann daher nie mein Werk sein.

Und ja, ich darf mich klein fühlen vor Ihm, das ist eine unserer Hauptregungen. Ich muss nichts vor Ihm darstellen. Ich darf das kleine Kind an Seiner Hand sein oder auch das Staubkorn unter Seinen Füßen. Doch Er wird diesen kleinen Funken in mir nicht auslöschen. Warum? Weil es Sein Funke ist. Er hat Ihn einmal entzündet und bewahrt dieses ach so kleine Licht in der Finsternis dieser Welt.

Wenn das Wörtchen Wenn nicht wäre, würden wir uns ohne einen Zweifel an den Herrn wenden. Aber auch wer mit einem solchen Wenn zu Ihm kam, wurde nicht deswegen ausgelöscht. „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen!“ (Mt 8,2) oder „doch wenn du etwas kannst, so erbarme dich über uns und hilf uns!“ (Mk 9,22). „Wenn du willst …“ kann man ja noch als demütig auslegen, aber „wenn du etwas kannst“ nur mit einer bestimmten Betonung, die der Originaltext nicht hergibt; hier wird tatsächlich ein Zweifel an Seinem Können laut.

Auch in den 7 Sendschreiben der Offenbarung finden wir 7 unvollkommene Gemeinden, die aber nicht wegen ihrer Unvollkommenheit verworfen wurden. Vielmehr verherrlicht sich Christus durch Seine Barmherzigkeit über solche Schwachheiten, Fehltritte und Alleingänge.

Und so sollen auch wir dieser Eigenschaft nacheifern. Sehen wir Rauch an einem Docht und die Flamme ist erloschen, so sind wir versucht, die Kerze auszumachen. Aber so dürfen wir nicht auf unsere Geschwister sehen. „Wir aber, die Starken, haben die Pflicht, die Gebrechen der Schwachen zu tragen und nicht Gefallen an uns selbst zu haben.“ (Röm 15,1). Überheben wir uns nicht in unserer vorübergehend hohen Gnadenerkenntnis, auf das der Herr uns nicht wieder in die tiefste Sündenerkenntnis stürzen lässt. Ermutigung auch in den kleinsten Anlässen und beim schwächsten Leuchten der Gnade bei anderen muss unsere vornehmste Aufgabe sein. Glaubensneulinge müssen nicht mit Regeln geknechtet und mit falschen Ansprüchen von der Gnade fern gehalten werden. Ebenso wenig wie jene, die tief in einer Sünde stecken. Christus ist für ihre Sünden bereits gestorben. Sein Joch ist ein leichtes Joch.

Setzen wir denn auch den Setzling bereits tosenden Stürmen aus oder verlangen eine reiche Ernte von ihm? Wohl kaum. Schicken wir Welpen auf die Jagd nach Füchsen oder jagen wir unsere Kinder mit dem Fahrrad über die Autobahn? Sie würden sich nie wieder auf ein Fahrrad trauen und einige ihrer guten Eigenschaften würden verkümmern, weil sie durch die viel zu große Aufgabe entmutigt wären.

Natürlich hat jeder von uns die Freiheit, sich selbst durch eigene Gesetze für den Herrn zu heiligen. „Habt aber acht, dass diese eure Freiheit den Schwachen nicht zum Anstoß wird!“ (1 Kor 8,9). Deine Stärke ist nicht die Stärke des anderen und Deine Schwäche ist nicht die des anderen. Nimm nicht Anstoß am Äußeren, wenn doch das Innere noch nicht soweit gediehen ist. Auch ein Baum ist anfangs außen grün, später bekommt er seine starke, schützende Rinde. Aus einer kleinen, hässlichen Raupe wird ein großer wunderschöner Schmetterling. Freilich darf der Schwächere im Glauben sich nicht darauf ausruhen, dass die ‚Stärkeren‘ keinen Anstoß an ihm nehmen sollen. Denn die Aufforderung gilt ja uns allen, dass niemand am anderen Anstoß nehmen soll als auch das niemand dem anderen ein Anstoß sein darf.

Ein durch und durch verdorbener Mensch, der durch Ignoranz und Starrsinn sowie Unbelehrbarkeit auffällt ist fürwahr eine Gefahr für die Gemeinschaft, aber durch Christi Lehre wird er zur rechten Zeit zu der Erkenntnis gebracht, dass es sein alter Mensch ist, den er noch ausziehen muss, um Fortschritte in der Gnade zu machen.

So ist es denn Aufgabe erfahrener Christen für jeden die richtige Lehrmethode zu finden. Sei es durch Sanftmut oder mit der Rute, sei es durch beharrliches Einwirken über die Zeit oder einen plötzlichen ‚Tritt in den Hintern‘. Alles ist erlaubt, solange die Gnade im Vordergrund steht und nicht das Streben nach Gerechtigkeit unter den Brüdern und Schwestern. Es besteht keinerlei Anspruch auf diese Gerechtigkeit unsererseits und wir sollen sie tunlichst nicht mit unseren Mitteln durchsetzen.

Menschen mit starkem Willen und großer Selbstüberzeugung sind eben anderes zu behandeln, als solche, die sich ihrer selbst unsicher sind. Das zuerst herauszufinden, ist gerade in unseren Tagen eine große Herausforderung. Jeder trägt eine Maske und niemand will dem anderen sein wahres Gesicht zeigen. Aus reiner Menschenangst und Scham vor der eigenen Sündhaftigkeit blickt einer auf den anderen Gläubigen, den er für höher und besser hält, obwohl dieser die gleiche Maske der Heiligkeit trägt, wie er selbst. Diese Maskerade betrübt gerade die Neulinge im Glauben, weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Bitten wir den Herrn um die Gabe, unser wahres Gesicht zu zeigen. Denn dann können wir unsere Liebe gegenüber den Geschwistern weitaus besser zeigen, als wenn wir sie in dem Glauben lassen, wir seien besser als sie. Spätestens im vertrauen Zwiegespräch muss diese Maske fallen, weil sonst keine wahre Liebe entstehen kann.

Denn der andere kann wie ein feines Glas schnell zerbrechen, aber bei entsprechender Behandlung lange Zeit halten und der Gemeinde gute Dienste erweisen. Denn diesseits der Ewigkeit werden wir keine vollkommene Heiligung, keine vollkommene Reinigung, keine perfekte Gnadenerkenntnis, keine hundertprozentige Erfüllung mit dem Heiligen Geist erleben. Weder an uns noch an anderen. Dessen eingedenk dürfen wir immer auch davon ausgehen, dass der andere in seiner Schwachheit vergeht, wenn wir ihn nicht ermutigen, und dass er andererseits Mut gewinnt, sich mehr und mehr auf seine Rechtfertigung vor Gott zu stützen statt auf sich selbst. Wenn wir uns dazu leiten lassen, den anderen so anzunehmen wie er ist, wird er sich mit uns gemeinsam dem Feind stellen. Anderenfalls wird er den Alleingang versuchen und öfters scheitern als eigentlich notwendig.

Diese Annahme hat nichts mit dem Mut zur Lücke gemein. Nein, wir sollten immer eingedenk unserer eigenen Schwachheiten sein und auch die Schwachheiten der anderen nicht klaglos übersehen. Jedoch sollten wir sie weder uns noch anderen vorhalten, sondern sie zu Gott bringen, damit Er sich ihrer annimmt. Denn allein Er hat den Sieg errungen und kann uns die Früchte dieses Sieges weitergeben. Aber dazu müssen wir Ihn auch lassen.

Lernen wir, das Richtige zu tun und uns nicht von dem Bösen in uns übertölpeln zu lassen. Die Sünde hat uns nie die Wahrheit versprochen, sondern wir haben sie immer als Lügnerin überführt. Sollte sie in diesem Punkt etwa recht haben?

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Über Michael Richter

https://jakobamjabbok.wordpress.com/2010/07/23/zur-person/

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