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Welcher Geist uns beherrschen sollte

Solche, die im Dienst am Wort stehen und die Gnade erfahren, anderen das Wort Gottes auslegen zu dürfen, sind stets in Gefahr, aufgrund eigener Erkenntnis anderen die Auskostung der Gnade zu erschweren, in dem sie dem Erlösungswerk Christi Dinge und Aufgaben hinzufügen, die nicht aus der Hand des Erlösers kommen. Die erste Pflicht, die einem jungen Christen auferlegt werden muss und welche er sich zum höchsten Prinzip seines Glaubenslebens machen darf, ist, dass er alles, aber auch wirklich alles, selbst anhand der Schrift unter Gebet prüft. Denn nicht menschlichen Worten soll er glauben lernen, sondern der Schrift. So leicht ist der Mann auf der Kanzel dabei, in einer Anwendung des Wortes einen kleinen Schritt zur Seite zu tun, und schon macht sich der Sauerteig der Pharisäer in den Köpfen der Zuhörer breit. Der Prediger hat zwar eine Autorität von Gott erhalten, ist aber stets zu allererst Diener Christi (1. Kor 4,1) und steht unter der Gnade Gottes, wie auch alle anderen Gläubigen. Er ist nicht unfehlbar, auch wenn er schon Jahrzehnte im Glauben steht. Menschliche Worte und insbesondere Illustrationen zur Anwendung können niemals die ganze Fülle des Wortes Gottes wiedergeben, sondern beleuchten immer nur einen Teilaspekt des Ganzen. Somit steht auch der Prediger in der Pflicht, seine Worte sorgsam zu wählen, um nicht die Gläubigen mit Dingen zu beschweren, die sie nicht tragen können, ja, die sie sogar von der ganzen Wirkung der Gnade abhalten können.

Ebenso fatal kann sich auswirken, wenn eine Predigt mit modern anmutenden Phrasen und Fachbegriffen vollgestopft wird, die sich zwar schön anhören und die Bildung des Sprechers hervorheben, aber so manchen Hörer ratloser als zuvor zurück lassen. Auch Jesus versteckte sich nicht hinter theologischen Fachwörtern, sondern sprach in der Sprache Seines Volkes. Ebenso hatte sich Martin Luther bei seiner ersten Übersetzung der Heiligen Schrift dem Grundsatz verschrieben, dem ‚Volk aufs Maul zu schauen‘, also so zu schreiben, dass es auch der einfache Mann verstehen konnte. Denn die Wahrheit des Evangeliums kann man ebenso hinter schönen Worten verstecken wie auch hinter falschen. Wenn eine intellektuelle Mauer den Gläubigen daran hindert, den richtigen schmalen Pfad zu gehen, wird er von den Segnungen der Gnade ausgeschlossen.

Das Studium der Theologie ist äußerst wichtig, um sich Werkzeuge und Methoden anzueignen, die Schrift immer besser zu verstehen. Doch das Wort will an den Mann und die Frau gebracht werden. Man darf nicht am Buchstaben der Übersetzung, ja nicht einmal des Originals kleben, wenn der so Angesprochene es nicht versteht. Es gibt Kulturen, wo es absolut fatal ist, sein Haus auf Stein zu bauen und man die Pfähle in den Sand rammt, um darauf ein Haus zu bauen. So müssen hier die Worte aus der Bergpredigt genau anders herum heißen, als im Original. Wird dadurch etwa Jesus Lügen gestraft? Nein, im Gegenteil. Denn es geht ja um das richtige Fundament des Glaubens, dasjenige, das vor den Stürmen schützt. Mit einfachen Werkzeugen kann kein Haus auf Fels gebaut werden und so wählte man andere Methoden. Egal, wie das Fundament befestigt wird, wenn es seine Wirkung hat, ist es richtig. Oder ist die Meile nicht mehr lang, weil wir sie Kilometer nennen? Ist der Schekel nichts wert, weil er bei uns Euro heißt?

Ist nicht Paulus den Juden ein Jude, den Knechten ein Knecht, den Freien ein Freier, denen unter dem Gesetz einer unter dem Gesetz und eben allen alles geworden, um sie für Christus zu gewinnen? Christus selbst hat sich all seiner Herrlichkeit entäußert. Hätte Er nicht von Seinem hohen Thron herab zu uns Menschlein sprechen können? Hätte Er nicht jederzeit mit seiner vollen Autorität jedweden Widerspruch im Keim ersticken und jedwede Frage mit einem ‚so Spricht der Herr‘ wegwischen können? Nein, er kam herab zu uns, um uns durch Demut, Geduld, Barmherzigkeit, Langmut und Sanftheit zu gewinnen. Daher sind falsche Strenge oder autoritatives Gehabe fehl am Platze, insbesondere für den Mann auf der Kanzel.

Ebenso unnütz ist es, Fragen von geringem Wert, die weit an den äußeren Enden des Evangeliums liegen, mit hoher Energie bis ins kleinste Detail zu erörtern. Etwa die Frage, ob der Evangelist Johannes vielleicht doch ewiges irdisches Leben erlangt haben könnte, weil doch Jesus gesagt hat „Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?“ (Joh 21,22). Oder wenn mit Zahlenspieleren die Zukunft gedeutet werden soll. Beispiel: Nach 40 Jahren der Trennung ist das deutsche Volk wiedervereint worden. Ist es dann nicht naheliegend, insbesondere angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage, anzunehmen, dass er Frieden für Deutschland nach 70 Jahren endet? Zuerst wäre da die Frage zu stellen, wann diese 70 Jahre beginnen: 1945 mit dem Ende des Krieges oder 1949 mit der Gründung der Bundesrepublik. Dann wäre zu klären, warum hier die 70 und nicht die 72 oder die 144 eine Rolle spielt. Auf solche Weise wird die Aufmerksamkeit vom Hier und Jetzt, vom Leben in der Gegenwart abgelenkt. Es hat keinen Gegenwartsbezug und nützt uns nichts für den täglichen Dienst am Herrn. Das Himmelreich ist nahe – in uns und jetzt. Das Ende ist nahe – das ist es schon seit 2000 Jahren. Die Vorboten mehren sich und doch kennt niemand das Datum. Soll ich dann jetzt mein Geld sammeln oder Vorräte anlegen? Ist das Ende morgen, in 10 Jahren oder doch erst nach meinem Tod?

Oder einfachere Fragen wie die der Rocklänge oder überhaupt der Kleidung. Wachstum in der Gnade beginnt nicht in Äußerlichkeiten, sondern im Inneren. Je mehr das Innere erfüllt wird mit dem Heiligen Geist, desto mehr wird Er sich nach außen zeigen. Aber die Baustelle ist unser Herz und nicht unsere Kleidung. Lenken wir als Prediger und Seelsorger, als Brüder und Schwestern nicht vom eigentlichen Thema ab. Eine Frage wie die, ob jemand zum Single-Dasein auserwählt wurde, beantwortet sich selbst. Wenn Erwählung stattfindet, so geschieht sie zweifelsfrei. Ist da ein konkreter, fester Zweifel, so ist die Bestimmung wohl doch eine andere.

Wenn nur die Köpfe heiß laufen, bleibt das Herz meistens kalt. Doch das Feuer des Herrn wird nicht in unseren Köpfen entfacht, sondern in unseren Herzen.

Und so ist es auch an jedem selbst, Zweifel zuzulassen, aber eben auch die Antwort Gottes. Hiob dient uns hier als Beispiel. Aber ebenso ist das Buch der Psalmen voller Zweifel, die der Herr beantwortet hat. Jeder von uns sollte sich des Zweifels freuen, denn am Ende steht Gewissheit. Eine Gewissheit, die desto fester ist, je tiefer der Zweifel zuvor war. Wir sind einander also verpflichtet, die Steine, die andere hindern, zu einem tieferen Glauben zu kommen, aus dem Weg zu räumen.

Wir dürfen jedem Liebe zeigen, der wirklich Hilfe sucht. Wir dürfen uns aber nicht hinter der Strenge verstecken, mit der wir uns vielleicht selbst kasteien, denn das würde die anderen abschrecken. Wir sind schwache Menschen und gegenüber unseren Geschwistern dürfen wir das auch zeigen. Dennoch können wir anderen Trost spenden und Trost bei anderen suchen. Gewähren wir uns diesen Trost nicht, treiben wir uns selbst auseinander. Wahrheit muss Wahrheit bleiben, aber sie kann in verschiedenen Formen dargebracht werden. Dem einen muss sich als Maschine erklärt werden, dem anderen als Baum, wieder einem anderen als Gemälde. Was aber zuweilen als Kulturrelevanz daher kommt, ist heutzutage oft genug eine Verwässerung des Evangeliums. Das Gesetz verbietet Gewalt gegen Kinder, also meint vielleicht der eine oder andere, er dürfe nicht vom Zorn Gottes (gegen Seine Kinder!) sprechen, sondern nur noch von Seiner Liebe. (Spr 3,12: „denn wen der Herr liebt, den züchtigt er, wie ein Vater den Sohn, an dem er Wohlgefallen hat.“)

Auch die Stimmungslage des Gegenübers oder die allgemeine Stimmung in der Gesellschaft darf die Art der Predigt bestimmen. Mal muss sie sanft und tröstend, mal aber auch ermahnend und drohend sein.

Dennoch darf die Barmherzigkeit nicht die Gerechtigkeit überflügeln. Brände müssen mit Wasser gelöscht und können nicht ausgepustet werden. Tiefsitzende, lebensbeherrschende Sünde kann nicht in der Mittagspause ausgetrieben werden. Falsche Nachsichtigkeit ist eine Schwäche, für die uns jene anklagen werden, denen wir sie zuteilwerden ließen. Lässigkeit im Umgang miteinander steht unter dem Fluch: „Verflucht sei, wer das Werk des Herrn lässig treibt“ (Jer 48,10). Barm­herzig­keit kennt keine Grausamkeit, denn sie macht uns sanftmütig und friedlich, weil sie uns durch Jesus aus reiner Gnade selbst zuteilwurde.

„Gerechtigkeit in aller Härte ist häufig extreme Ungerechtigkeit[1]“ und das gilt bei solchen, die Autorität ausüben im Besonderen. Wer sich nicht eingedenk ist, dass seine Autorität – und sei sie auch noch so weltlich ausgerichtet – von Gott kommt, verliert schnell den Blick für die Barmherzigkeit, die auch solchen Ämtern gut steht. Vergebung ist Christenpflicht, nicht etwas Verurteilung. Wer sich demütigt, bedarf nicht der Rute, sondern der Gnade. Die Demut des anderen erhebt nicht den einen, sondern muss ihn zu diesem herunter ziehen, denn sie stehen beide unter derselben Gnade. Härte würdigt das Amt herab und zeugt keineswegs von Gewissenhaftigkeit. Die Furcht des Herrn soll das Leben bestimmen und nicht etwa die Angst um das eigene Amt oder das Streben nach Macht.

Also sind wir alle dazu aufgerufen, mit unserer Freiheit, die wir in Christus haben, sorgfältig umzugehen. Auch hier steht das Prinzip der treuen Verwalterschaft im Vordergrund. Ja, wir sind frei zur Ausschweifung, aber wen gewinnen wir damit? Natürlich können wir niemanden retten, der nicht gerettet werden will. Aber jene, die zu uns aufschauen als Vorbilder im Glauben, werden wir eher dem Untergang zuführen als ihrem Heil, wenn wir uns Freiheiten herausnehmen, die uns nicht zustehen.

Ebenso müssen wir uns davor hüten, das Gute in Anderen als Schlecht darzustellen. Die Äußerungen von Gottesfurcht und Frömmigkeit sind individuell und jeder möge sie so ausleben, wie es seinem bruchstückhaften Erkenntnisstand entspricht. Einen anderen aber wegen seines anderen Glaubensausdruckes zu verurteilen oder ihn gar schlecht zu machen, ist aber Satans Arbeit, die wir uns auf keinen Fall zumuten sollten. Denn in jedem Christ wohnt Christus und „wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. (1 Kor 3,17)“.

Nicht jeder begegnet Versuchungen in der gleichen Weise, sei es aus Unkenntnis oder wegen der eigenen Schwachheit. Hier ist ein schnelles Richten absolut fehl am Platz. Selbst der Wut anderer muss man nicht mit brutaler Härte begegnen, sondern eher mit noch mehr Liebe, wie eine Mutter mit ihrem Kind umzugehen pflegt.

Es ist schließlich auch nicht gut für eine Gemeinschaft, wenn sie nur aus Lehrern besteht. Denn einerseits werden Lehrer strenger beurteilt und zweitens verzetteln sie sich gerne in gegenseitigen Belehrungen, möglicherweise gewürzt mit autoritativem Gehabe. Am Ende muss die Gnade des Herrn wirken und eine gute Antwort in einem nicht enden wollenden Disput ist wohl „Einer von uns beiden wird wohl unrecht haben. Aber wir werden es erst in der Ewigkeit erfahren.“

Wenn jemand ein gutes Werk verrichtet und dabei so einige Male vielleicht zu Mitteln greift, die gar nicht eindeutig gut oder schlecht sind, so dürfen wir auch das mit Jesu Augen ansehen, der alles im Feuer läutert und Gnade walten lässt, wo ein Mensch gerne verurteilt. Zu tief in der menschlichen Seele zu wühlen, um doch noch etwas Schlechtes hervorzukramen, ist nicht unsere Aufgabe. Schließlich sind wir auch ohne Bedingungen errettet worden, der eine aus einer vermeintlich größeren Schuld als der andere. Dennoch erlässt der Herr sowohl 50 als auch 500 Denare Schuld und er nimmt den, der mit Eifer ans Werk geht ebenso an wie den der mit etwas Unlust seinen Dienst verrichtet, weil es ihm noch an Einsicht fehlt.

Bittere Medizin haben wir ertragen gelernt, weil wir ihre positive Wirkung erfahren durften. Sollten wir dann Geschwister ablehnen, die einen guten Dienst tun, aber durch eine kleine Eigenheit negativ darin auffallen? Ist es tatsächlich unsere Aufgabe, Perfektion zu fordern, die doch nur im Himmel sein wird? Vielmehr sollten wir uns doch dazu aufgerufen sehen, diesem Menschen in seiner Schwachheit aufzuhelfen und ihm mit Rat und Tat beistehen, dieses Quäntchen Schlacke vom Gold abzuklopfen. Die Kirche Christi besteht nicht aus perfekten Gläubigen, vielmehr besteht sie aus vielen Mühseligen und Beladenen. Sie gleicht mehr einem Krankenhaus mit Menschen allerlei Gebrechens. Wie können wir da erwarten, dass irgendjemand perfekt ist?

Wenn Stolz auf Stolz oder Verderbtheit auf Verderbtheit trifft, werden sie sich abstoßen wie zwei gleiche Magnete. Wen wir geistliche Arbeit verrichten wollen, müssen wir auch die dem Heiligen Geist zugeeigneten Werkzeuge benutzen. Alles andere stumpft ab.

Sind wir denn nicht alle Erben des gleichen Heils? Sind wir nicht alle in der gleichen Verderbtheit? Hat jemand unter uns etwas vorzuweisen, was uns über den anderen hebt? Ist es nicht vielmehr unsere Aufgabe, den anderen mitzutragen und seine Angelegenheiten zu der unseren zu machen?

Denn jeder von uns ist und bleibt ein glimmender Docht. Bei niemandem von uns brennt beständig über ein ganzes Leben hinweg das Feuer mit der gleichen Intensität. Wir erleben zwar Wachstum, aber auch Entmutigung. Wir empfinden Begeisterung und Tatendrang für die Sache des Herrn, doch wir scheitern an unserer eigenen Unzulänglichkeit.

Wir müssen uns beide Seiten der Medaille anschauen. Auf der einen sehen wir unsere Unvollkommenheit und Verderbtheit. Auf der anderen Seite steht Gottes Gnade, durch die allein wir geheiligt sind und würdig, vor Ihn zu treten. Die Erkenntnis unserer Schwächen entmutigt uns und wir geraten schnell in einen Abwärtssog. Während dieser Talfahrt werden wir immer nur noch mehr Schlechtes in uns und an uns sehen. Besonders wenn wir uns dann mit anderen vergleichen, schneiden wir noch schlechter ab als sonst. Doch nur weil eine Flamme kleiner ist als die andere oder nur noch der Docht glimmt, ist das Feuer nicht aus.

War der verlorene Sohn etwa kein Sohn mehr? Ja, er hatte alles durchgeprasst und seinem Vater keine Ehre erwiesen. Er hatte das Beste, was er je hatte, für einen kurzen Augenblick der Wonne zurück gelassen. Aber was änderte das an seinre Sohnschaft? Wie steht es denn in Lukas 15,19? „Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.“ Er sagt sich doch nicht von seinem Vater los, nur weil er ihn ins Unglück gestürzt hat. Er fühlt sich nur nicht mehr Wert, ein Sohn seines Vaters zu heißen. Er ist gedemütigt durch das Unglück, dass er selbst herbei geführt hat. Er erkennt, dass es seine Schuld war. Er hat sich losreißen wollen aus dem Schutz, den der Vater ihm gegeben hatte, und hatte sich falschen Freunden anvertraut. Das machte ihn in seinen Augen wertlos für den Vater. Aber wie sah das der Vater? Hat er seinen Sohn gedemütigt, indem er ihn um Arbeit betteln ließ? Wollte er ein umfassendes Schuldgeständnis von ihm? Brauchte er einen Beweis für die Einsicht des Sohnes? Nein, er sah die Demut und die Ernsthaftigkeit in den Worten seines Sohnes und zögerte nicht eine Sekunde, ihn sogleich wieder in seine alte Stellung als Sohn einzusetzen und für ihn ein fettes Festmahl auszurichten. Genauso gnädig sieht Gott den bußfertigen Sünder an und uns steht es gut, es Ihm gleich zu tun.

Worin besteht denn die Gnade Gottes, als in der Entlastung von unseren Sünden, deren Last wir selbst nicht zu tragen imstande wären? Was macht die Gnade Gottes denn kostbarer als der Gehorsam Christi, der uns angerechnet wird, weil wir ihn niemals aus uns selbst aufbringen können? Wir leben nicht unter dem alttestamentlichen Gesetz, das perfekten Gehorsam des Herzens forderte und dabei ohne Gnade geknickte Rohre abbrach und glimmende Dochte auslöschte. Doch durch das Evangelium wird diese Art Vollkommenheit durch eigene Ernsthaftigkeit abgelöst. Und daher können wir auch an dunkelsten Tagen noch erkennen, dass es Tag und nicht Nacht ist, dass ein Rest Gnade auf uns wirkt, und sei er noch so klein.

Das heilige Feuer in jedem von uns kann nur vom Himmel kommen. Solange wir in der Lage sind, geistliche Dinge zu erkennen, ist dieses Feuer auch in uns. Und wenn es auch klein ist, strahlt es immer noch Wärme ab. Auch das kleinste Licht scheint durch schwere Versuchungen und Verlockungen hindurch. Das Gewissen ruft leise von ganz hinten und doch ist es da. Doch dieses Licht müssen wir suchen, wir müssen uns darauf fokussieren und nicht die Dunkelheit zu unserem Licht machen. Wir müssen vorwärts auf das kleine Licht am Ende der Dunkelheit schauen und nicht nach links und rechts, wo nur schwarze Nacht herrscht.

Dieses Licht ist manchen wie ein Blitz, in dem sie sich leicht erstrahlen lassen, aber wehe es beleuchtet die dunklen Stellen ihrer Seelen, dann verachten sie es. Daher mag es besser sein, ein kleines, aber heiliges Licht zu haben, das behutsam unsere Seelen ausleuchtet und uns einen Flecken nach dem anderen zeigt. Und so leitet uns dieses kleine Licht langsam, aber sicher hin zum Himmlischen. Unser Begehren wird beständig auf geistliche Dinge ausgerichtet und wo immer wir gehindert sind, werden wir es bedauern. Immer geht es aber vorwärts und nicht zurück.

Doch nach und nach wird das Feuer größer und je größer es wird, desto reiner wird es auch. Der Rauch nimmt ab und wir sehen immer klarer. Damit verbunden ist sowohl eine immer größere Sündenerkenntnis als auch eine immer größere Gnadenerkenntnis. Doch die Angst besetzt zuweilen unsere Seelen und sie fürchtet zu viel Licht. Stattdessen will sie verharren in dem behaglichen Zustand des glimmenden Dochtes, den Christus ja nicht auslöschen wird. Doch Christi Vollkommenheit beinhaltet auch eine vollkommene Helligkeit und einen vollkommen Hass auf die Sünde. Er kann also keine Sünde in uns befürworten, Er muss und wird beständig an uns weiterarbeiten. Jede noch so kleine Flamme wird Er nähren und mehren, damit Er Seinen Dienst unserer Reinigung vollbringen kann. Er wird damit nicht aufhören bis an unser Lebensende. Er wird uns Menschen und Herausforderungen in den Weg stellen, die uns immer wieder an Sein heiliges Werk in uns erinnern werden. Nichts kann sich Seinem Plan in den Weg stellen und nichts kann Sein Gnadenwerk in uns aufhalten. Den glimmenden Docht löscht Er nicht aus, aber Er belässt es auch nicht beim Glimmen. Er will, dass die Lampe brennt und Sein heiliges Licht in die ganze Welt trägt.

[1] Richard Sibbes: Geborgen in Ihm, S. 55

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Über Michael Richter

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