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Persönliches

Der Weg

Ich bin mit dir gegangen. Eines Tages warst du einfach da. Die Menschen, die mit dir gingen, waren echt nett. Sie haben mich immer wie einen der ihren behandelt. Ich hörte deine Worte, ich sah deine Wunder. Ich spürte deine Liebe und erfuhr deine Sanftheit. Doch dann hast du eines Tages von deinem Ende gesprochen. Du hast gesagt, du wirst gefangen genommen und getötet. Das hat mich verwirrt. Auch die anderen wussten nicht, was sie davon halten sollten. Wolltest du uns nicht befreien? Warst du doch nicht der ersehnte Retter der Menschen? Wer solltest du dann sein?

Ich habe deine Macht gesehen. Warum solltest du sie nicht nutzen, um hier und jetzt dein Reich aufzubauen? Und was sollte denn aus uns werden? Aus mir? Wo sollte ich dann hingehen? Die anderen sagten, du würdest das nicht so meinen. Außerdem wäre die Zeit noch nicht reif.

Deine Feinde hatten schon oft versucht, dich gefangen zu nehmen, doch es war ihnen nie gelungen. Warum sollte es ihnen jemals gelingen? Wir waren doch eine gute Truppe. Obwohl wir arm waren, hatten wir immer ausgesorgt. Deine Worte taten so gut. Deine Nähe war so beruhigend. Nichts hat dich aus der Ruhe gebracht. Ich wollte auch so sein wie du. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, sollte ich tatsächlich einmal wie du werden. Bis dahin würdest du bei uns bleiben müssen, denn ich sah, dass ich noch eine Menge zu lernen hatte. Und nur du konntest mir all diese Dinge beibringen. Vielleicht könnte ich also den Zeitpunkt deines Fortgehens noch etwas hinauszögern …

Es war spät, und es war die Zeit des Passah. Ich traf mich mit ein paar Freunden, um gemeinsam das Passahlamm zu essen. Es war eine gute Zeit. Ich habe viel von dir erzählt und auch, wie es mich verändert hat. Manche glaubten mir nicht, andere wollten dich auch kennen lernen. Ich versprach ihnen, sie am nächsten Morgen zu dir zu bringen.

Schließlich war das Mahl zu Ende. Die Nacht war mild und ich beschloss, draußen zu schlafen. Ich fand einen geschützten Platz gleich neben einem großen Garten. Schnell fielen mir die Augen zu.

Ich wachte auf vom Lärm schwerer Stiefel und Waffengeklirr. Jemand schrie. Dann war es wieder ruhig. Doch schließlich hörte ich, wie sich ein Trupp in Bewegung setzte. Ich versuchte, näher an die Straße heranzukommen. Dann sah ich sie. Eine ganze Truppe Soldaten führte einen Mann ab. Ich konnte erst nicht sehen, wer es war, doch dann fiel etwas Mondlicht auf sein Gesicht.

Du warst es!

Das konnte doch nicht sein! Warum hatten sie dich verhaftet? Warum befreite dich denn keiner? Wo waren deine Leute? – Ich wagte nicht, einzugreifen. Ich versuchte, dem Trupp so gut es ging zu folgen. Schließlich erreichten wir den Palast. Sie führten dich hinein und ich sah zu, dass mich niemand sehen konnte.

Wilde Gedanken schossen mir durch den Kopf. Sollte ich die anderen holen und dich befreien? Sollte ich hineinstürmen und mich zwischen dich und sie werfen? Wäre das nicht mein sicherer Tod? Zumindest würden sie mich mächtig verprügeln. Was konnte ich tun?

Ich zitterte am ganzen Leib. Ich musste wieder an deine Worte denken. War das etwa das Ende? Aber das ging doch gar nicht. In ein paar Stunden begann das Passah. Niemand wird in dieser kurzen Zeit verurteilt. Oh, sie würden dich einfach ins Gefängnis werfen und nach ein paar Tagen wieder frei lassen. Was hattest du schon Verwerfliches getan? Was konnte man dir vorwerfen? Welcher Richter würde dich verurteilen?

Ich beruhigte mich etwas. In ein paar Tagen würden wir uns wieder sehen. Dann wäre alles wieder gut.

Ich konnte zwei Männer belauschen, wie sie über das Verhör redeten. Sie sagten, man hätte dich geschlagen und beschimpft. Wie konnte das sein? In einem ordentlichen Prozess war doch so etwas nicht möglich. Wieder machte ich mir Sorgen. Doch ich blieb an Ort und Stelle und hielt mich so gut es ging verborgen.

Schließlich, nach endlosen Stunden, brachte ein Trupp dich heraus. Der Morgen graute. Es ging hinüber zur Festung, zum Statthalter.

Was sollte das jetzt? Konnte ein jüdisches Gericht keinen mehr zu Gefängnis verurteilen? Was hatten die Römer damit zu tun?

Ich folgte dem Trupp, der von ziemlich aufgeregten und wild entschlossenen Priestern begleitet wurde. Was hatten sie wohl vor?

Trotz der frühen Stunde fanden sich schnell viele Menschen auf dem Vorplatz ein. Nur ab und an zeigte sich Pilatus und rief der Menge etwas zu. Ich konnte es kaum verstehen. Aber er sagte wohl, dass es nicht seine Angelegenheit wäre.

Richtig, Pontius, der Fall musste bei den Juden bleiben!

Was geschah jetzt? Wieder brachten sie dich weg und ich konnte erst später erfahren, dass man dich zu Herodes gebracht hatte. Doch der hat dich dann auch wieder weggeschickt.

Ich fand mich wieder auf dem Vorplatz bei Pilatus ein. Ich wollte doch sehen, wie die Römer dich frei geben würden. Sie hatten doch nichts gegen dich in der Hand! Alles würde gut werden.

Doch dann schickte dich Pilatus zum Auspeitschen. Oh, diese grausamen Römer. Peitschen konnten sie gut, aber dem Volk geben, was es brauchte, das schafften sie nicht. Immer kamen sie mit ihren Waffen. Oh, wie würde es dir nun ergehen? Wie oft würden sie dich schlagen?

Ich versuchte, mich durch die wartende Menge nach vorne vorzuarbeiten. Manchmal wehte der Wind den Schall der knallenden Geißel herüber. Doch ich hörte kein Schreien. Vielleicht war es bald zu Ende und sie würden dich frei lassen.

Schließlich holten sie dich wieder nach vorne. Ich konnte erkennen, dass sie dich fertig gemacht hatten. Dein Rücken war voller Blut. Oh, wie gerne würde ich gleich deine Wunden versorgen. Lass ihn frei, Pilatus!

Doch jetzt kam noch einer dazu. Ich erkannte diesen Barabbas, diesen Halunken und Mörder. Er war wirklich ein Schlimmer. Was hatte Pilatus nun vor? Oh, er ließ das Volk wählen, wen er freilassen sollte. Die Antwort war doch klar! Ich rief immer wieder deinen Namen, doch bald hörte ich mich selbst nicht mehr, denn alle anderen schrieen „Barabbas“. – Seid ihr verrückt? Diesen Mörder wollt ihr befreien und nicht euren Retter? Nein! Das durfte nicht sein! Nein!!

Dann wurde es still. Pilatus wusch sich die Hände und beteuerte seine Unschuld. Ja, fürwahr, möge dein Blut über sie alle kommen, ja!

Wie konnte das passieren? Gott, wie kannst du das zulassen?

Sie brachten dich herunter und trieben die Menge auseinander. Ein paar Soldaten brachten das Holz und warfen es grob auf deine Schulter. Ich sah dein Leiden. Ich sah, wie du zusammen brechen wolltest. Ich sah, wie du dich quältest. Doch du musstest diesen Weg jetzt gehen. Keiner würde gegen die Römer aufbegehren deinetwegen. Es war alles hoffnungslos. Es war vorbei. Nichts konnte dich mehr retten. Wohin sollte ich gehen?

Ich versuchte, dir zu folgen, doch die Menge schob und drängte. Immer wieder kam der Zug ins Stocken. Du brachst zusammen und nur mit Mühe konntest du dich wieder hoch rappeln. Endlich zogen sie einen Mann aus der Menge, der dir das Holz abnahm. Dennoch gingst du nur langsam und schwankend voran.

Warum warst du nicht schon tot? Du warst doch so schwer verwundet!

Wieso hast du nicht deine Macht benutzt, um deine Feinde zu besiegen? Hier und jetzt!

Warst du etwa nicht der, der kommen sollte? Warst du nicht der versprochene Messias?

Wieder kamen mir deine Worte in den Sinn: das Weizenkorn muss erst in die Erde fallen und sterben, nur dann kann es neue Körner hervorbringen. Ich hatte keine Ahnung, was es bedeuten sollte. Aber ich ahnte, dass es etwas mit Heute zu tun hatte.

Endlich erreichten wir den Hügel. Dort standen schon zwei Kreuze.

Die Soldaten zogen dir die Kleider vom Leib, dann warfen sie dich brutal auf das Holz. Sie kannten keine Rücksicht, sie verrichteten einfach ihr Handwerk. Als sie den ersten Nagel in dein Fleisch schlugen, zuckte ich zusammen. Dein Schmerz übertrug sich förmlich auf mich. Dann schlugen sie wieder und wieder zu und ich sackte zusammen. So etwas kann man doch keinem Menschen antun!. Du Wunderbarer solltest den elendesten Tod und die höchste Strafe, die überhaupt denkbar waren, erleiden? Warum?

Ich hörte deine Worte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Wie konntest du jetzt noch an andere denken? Wie konntest du für die bitten, die dich ermordeten? Wie konntest du überhaupt noch denken?

Sie richteten das Kreuz auf. Hoch über allen anderen hingst du da. Ich konnte nicht nach oben sehen. Ich blieb am Boden und heulte.

Warum musstest du mich verlassen? Warum musstest du sterben? Wo sollte ich denn jetzt hin? Wer würde mir jetzt all die Dinge beibringen, die mich dir ähnlicher machen sollten? Wo war der Sinn hinter all diesem? Ich verstand gar nichts.

Die Menschen schauten zu dir hinauf und verspotteten dich. Selbst jetzt waren sie noch nicht zufriedengestellt. Am liebsten hätte ich sie alle totgeprügelt, weil sie dich angriffen. Solltest du nicht mal in Ruhe sterben dürfen? Ich war wie angewurzelt und konnte mich nicht rühren. Warum geschah das alles? Warum nur?

Ich konnte keinen Sinn darin entdecken. Was sollte das alles bedeuten? War nun alles zu Ende? Wer würde dich retten? War denn da niemand? Bist du nicht Gottes Sohn? Wer würde mich retten? Warst du nicht gekommen, um mich zu retten? Auf wen sollte ich noch warten? Was war hier eigentlich los?

Ich kniete auf dem Boden und verbarg mein Gesicht. Es war, als würde ich vor einem Abgrund stehen und ich wusste genau, ich musste gleich hineinfallen. Da war nichts mehr, woran ich mich halten konnte. Da war nichts mehr, an das ich glauben konnte. Alles war weg. Alles war sinnlos.

Irgendwann merkte ich, dass es dunkel wurde. War ich schon so lange hier? Ich schaute nach oben. Da war die Sonne noch hoch am Himmel. Doch jetzt konnte ich in sie hineinschauen. Es wurde stockfinster. Nur ein paar Feuer der Römer brannten. Ich hörte, wie die Römer sich lauthals wunderten über diese Sonnenfinsternis. Doch als sie nicht vorbei ging, wunderten sie sich noch mehr. Niemand hatte jemals so etwas gesehen.

Die Geschichte von Josua schoß mir durch den Kopf, auf dessen Gebet hin die Sonne am Himmel still stand. War dies hier etwa auch ein Wunder Gottes? Würde Gott dich jetzt vom Kreuz holen und die Römer vertreiben? War das die Vorbereitung für den Angriff der himmlischen Heerscharen?

Ich blickte wieder zum Kreuz. Du warst noch am Leben. Was sollte jetzt kommen? Ich war gespannt, doch nichts geschah. Es blieb einfach dunkel. Ich konnte meine Augen nicht von dir abwenden. Schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, hörte ich deine Stimme:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Wie konnte das sein? War Gott nicht dein Vater? Wie konnte er dich dann verlassen? Oder war das nur Ausdruck deines sterbenden Geistes?

Dann hörte ich noch einmal deine Stimme:

Es ist vollbracht. Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“

Dann sank dein Kopf vornüber.

Plötzlich schwankte die Erde. Ein Grollen erfüllte die Luft. Die Menschen liefen in Panik auseinander und auch ich stolperte davon. Nichts konnte mich mehr an diesem fürchterlichen Ort halten. Alles war verloren. Du warst tot! Ich hatte keine Hoffnung mehr. Ich floh weg von der Stadt, irgendwohin. Ich rannte bis in den Abend. Ich wollte nur weg. Ich schrie nach dir. Aber du hast nicht geantwortet. Du warst tot. Und ich war es damit auch. In meinem Herzen war etwas gestorben.

Du warst meine Hoffnung. Auf dich hätte ich mein Leben gebaut. Aber nun warst du weg. Es gab nichts mehr, wofür es sich lohnte zu leben. Es gab nichts mehr, wohin ich fliehen konnte. Ich lief einfach so weiter, bis ich irgendwann erschöpft auf dem Feld hinfiel und einschlief.

Es war ein tiefer Schlaf mit unruhigen Träumen. Ich hatte Angst und zitterte. Ich musste mich übergeben oder auch nicht. Ich weiß es nicht mehr. Ich schrie und jammerte. Ich sah nur noch dunkle Nacht um mich herum. Dunkle Gestalten kamen aus der Nacht hervor und griffen nach mir. Ich versteckte mich vor ihnen. Ich lief davon. Es war alles so wirr.

Außer Atem und nass von Schweiß wachte ich auf. Der Morgen graute. Ich schaute mich um. Alles nur Ödnis um mich. Mein Herz pochte in meinem Hals und in meinem ganzen Körper. Ich richtete mich mühsam auf. Wo war ich?

Nur langsam kam ich zur Ruhe. Ich starrte auf den Sand vor mir. Ich hatte keine Lust, aufzustehen und weiter zu gehen. Wohin sollte ich denn? Wo war deine Liebe? Ich war einsam. Allein. Verloren.

Doch schließlich stand ich auf. Ich hatte Hunger und Durst. Ich sah mich um. Da hinten war ein Gebüsch. Vielleicht gab es da Wasser. Ich machte mich auf den Weg. Schließlich erreichte ich eine kleine Quelle. Ich trank das frische Wasser und ließ es über meinen Kopf fließen. Meine Gedanken wurden klarer. Ich musste doch weiter leben. Ich musste in mein altes Leben zurück.

Mir fiel ein, dass sich deine Freunde doch zum Passah-Opfer treffen wollten. Vielleicht konnte ich zu ihnen und sie würden mir helfen, wieder Fuß zu fassen. Ich machte mich also auf den Weg zurück zur Stadt.

Irgendwann mittags erreichte ich den Tempel. Ich setzte mich in eine ruhige Ecke und wartete, ob jemand vorbei käme, den ich kannte. Ich hörte die Gebete der Priester. Schließlich döste ich ein.

Alles war so sinnlos. Auch die Tieropfer erschienen mir jetzt hohl und leer. Nie hat sich auch nur einer jemals besser gefühlt durch dieses Opfer. Die Priester sagten immer: Tue dies, lasse dass, dann kommst du in den Himmel. Doch wirkliche Sicherheit gab es da nicht. Nichts, was wirklich greifbar wäre. Immer musste man etwas tun oder durfte anderes nicht tun, sonst war man verloren. Jemand hatte mal gesagt, dass Gott gar nicht mehr im Tempel wohnen würde, wie er es früher getan hatte. Warum also opferten sie Ihm dann noch? Wenn Gott Sein Volk verlassen hatte, wozu das Ganze?

Du aber hattest mir neue Hoffnung gegeben. Du warst so anders. Bei dir fühlte ich mich sicher. Du hast direkt in mein Herz gesprochen. Und wenn ich mal etwas falsches gesagt oder getan hatte, hast du mich nicht in eine Salzsäule verwandelt, obwohl ich glaube, dass du das hättest tun können. Statt dessen hast du mich mit deinen sanften Augen so liebevoll angeschaut wie ein Vater seinen Sohn. Du warst der beste Freund, den ich je hatte. Du hast nichts von mir verlangt und mir doch so viel gegeben. Ich fühlte mich wohl in deiner Nähe.

All das war jetzt aber vorbei und alles war sinnlos geworden.

Die Nacht verbrachte ich wieder bei dem Garten, wo sie dich verhaftet hatten. Ich schlief sehr unruhig und wachte immer wieder auf. Die Gedanken ließen mich nicht los. Deine Verhaftung. Das Auspeitschen. Du am Kreuz. Diese Schmach. Der Schmerz. Deine letzten Worte.

Es ist vollbracht.“

Diese Worte hallten in meinen Kopf nach als ich aufwachte. Ich rappelte mich auf und schleppte mich durch die Straßen. Plötzlich liefen zwei Männer an mir vorbei. Ich erkannte sie. Sie waren deine Freunde gewesen. Ich rief ihnen hinterher. Aber sie liefen, als wäre eine Horde Römer hinter ihnen her. Ich versuchte, ihnen zu folgen, aber ich verlor sie schließlich. Dann kam der eine wieder zurück. Doch ich konnte ihn nicht aufhalten. Er stammelte etwas, das ich nicht verstand. Er zeigte weiter den Weg hinunter und lief dann weiter.

Ich ging in die angegebene Richtung und kam in einen anderen Garten. An einem Felsen stand ein Mann, tief in Gedanken. Ich erkannte ihn und ging auf ihn zu. Als er mich sah, ergriff er mich und sah mir tief in die Augen.

Er ist auferstanden!“ rief er freudestrahlend.

Dann rannte er fort.

Ich verstand nichts. In den Felsen war eine Höhle getrieben worden. Ein großer Stein lag davor, umgeworfen. Es musste wohl ein Grab sein. Ich ging vorsichtig hinein. Dort sah ich dann fein säuberlich ein paar Tücher abgelegt. Sonst nichts. Hatte hier jemand gelegen? Wer denn?

Der Meister war es!“

Ich fuhr herum. Doch da war niemand. Ich trat heraus, doch auch hier konnte ich niemanden sehen. Nachdenklich ging ich zurück zur Stadt.

Der Meister soll dort gelegen haben? Was bedeutet das? Hatte man ihn woanders hin gebracht? Doch was hatte der andere gemeint, als er sagte, er ist auferstanden? Konnte das sein? Wie war das möglich? Ich beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen.

In der Stadt versuchte ich, jemanden von deinen Leuten ausfindig zu machen. Ich brauchte Antworten. Ich brauchte Klarheit. Wie wäre es denn, wenn du tatsächlich wieder da bist? Konnte das überhaupt sein?

Den ganzen Tag irrte ich durch die Stadt, doch bis auf ein paar Gerüchte konnte ich nichts finden. Offenbar versteckten sich alle und ich fand niemanden, der mir glaubte, dass ich nur zu ihnen wollte, um die Wahrheit zu erfahren.

Wieder ging der Tag zu Ende und wieder fand ich mich bei dem Garten. Fast konnte ich das schon mein zu Hause nennen. Ich war zu erschöpft, um mir einen neuen Platz zu suchen. Also schlief ich hier ein.

Im Traum zog es mich zurück zu deinem Kreuz. Ich stand davor und sah hinauf. Hinauf auf das leere Kreuz. Die Blutspuren waren noch deutlich zu sehen. Wieder spürte ich den Schmerz der Hammerschläge. Wieder sah ich dein Elend. Doch da war auch Kraft. Du hast dich nicht gewehrt. Du bist freiwillig an dieses Kreuz gegangen. Doch wozu?

In mir drehte sich alles.

Alle Versuche, Gott zufrieden zu stellen, sind nichts wert. Die Opfer im Tempel können niemanden retten. Sie tilgen keine Schuld. Sie sind nur Erinnerung an das, was wir wirklich tun sollen.

Doch wohin soll ich mit meiner Schuld, mit meiner Sünde? Welches Opfer kann ich dir geben, damit es für dich gut ist? Wenn alles, was ich tue, nicht gut genug für dich ist, warum tue ich dann überhaupt irgend etwas?

Du hast gesagt, du bist das Leben. Wer an dich glaubt, hat das Leben. Du hast gesagt, jemand kommt nur durch dich zu Gott. Aber jetzt bist du weg. Wie soll ich also jetzt zu Gott kommen?

Opfer. Gott. Jesus. Leben. Mein Kopf schwirrte von diesen Gedanken. Was war die Lösung?

Ich fiel erschöpft auf meine Knie. Wieder schaute ich hoch zum Kreuz. Dort hingst du jetzt und sahst auf mich herab. Deine Augen waren so sanft wie eh und je.

Glaube!“

Aber an was? Was sollte ich denn glauben?

Es geschah für dich.“

Für mich? Wie soll das sein? Wieso für mich? Du musstest für mich sterben? Das verstehe ich nicht. Kann ich nicht für mich selbst sterben? Was ist denn das für ein Opfer?

Opfer? Was denn … ? Bist du ein Opfer? Ein Opfer für mich? Das Opfer für meine Sünden? Wie geht das? Ich meine …

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“

Du hast die Sünden der Welt auf dich geladen. Du hast meine Sünden auf dich geladen! Du hast dich für mich geopfert?

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.“

Aber Moment mal, so schlimm bin ich doch gar nicht, dass du für mich sterben musst. Ich bringe doch gern mein Opfer in den Tempel. Das reicht doch. Wieso musst du dafür sterben? Kannst du nicht mein Opfer annehmen? Ich will nicht, dass du für mich stirbst. Ich will, dass du bei mir bist und ich so werde wie du. Du kannst nicht für mich sterben! Das geht doch gar nicht …

Ja, ich bin es doch, der den Tod verdient, wenn überhaupt. Nimm mich doch fort. Ich – oh, nein! Ich kann so nicht zu dir. Meine Sünde – Ich opfere alles, was du willst, nur stirb nicht für mich, bitte! Das habe ich nicht verdient!

Lass dir an meiner Gnade genügen.“

Wie? Gnade? Für mich? Warum? Ich – will – doch – etwas tun können für dich. Wieso Gnade? Du begnadigst mich? Warum? Es muss doch etwas geben, was meine Schuld weg nimmt, oder? Was soll ich dir geben? Sag es mir.

Ich liebe dich. Ich starb für dich!“

Ich grub meine Hände in mein Gesicht. Mien Verstand explodierte förmlich. Ich sah nichts als Chaos in mir. Da waren all meine Sünden, die kein Opfer der Welt wegwaschen konnte. Da war Gott, dem die Sünde so zuwider war, dass sich kein Mensch in Seiner Nähe aufhalten konnte. Da war Jesus, der sich opferte. Ich versuchte, das alles zu sortieren, doch es gelang mir nicht.

Hilf mir, oh Gott! Lass mich erkennen!

Alles in mir drehte sich wie ein Karuselle. Doch plötzlich brach das Licht herein und ich erkannte es. Jesus ist mein Tor zu Gott und Jesus ist mein Abbild vor Gott! Er allein hat sich vor den Zorn Gottes geworfen, um mein Leben zu retten! Er allein ist das einzige Gott wohlgefällige Opfer. Er allein hat Gottes Zorn besänftigt. Er allein ist die Liebe für mein Leben! Er allein hat mich gerettet!

Danke dir Vater, dass Du Ihn zu mir geschickt hast. Danke dir Jesus, dass Du micht gerettet hast! Amen!

 

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